Weinen ohne Grund: Die 4 häufigsten Ursachen von grundlosem Weinen

Weinen ohne Grund gibt es eigentlich gar nicht – denn auch hinter scheinbar grundlosem Weinen steckt eine Ursache, die nur nicht ganz offensichtlich ist. Meist ist einer von vier Auslösern schuld, wenn Menschen aus heiterem Himmel in Tränen ausbrechen.

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„Weinen ohne Grund“ klingt zunächst nach Theatralik, Übertreibung und Überempfindlichkeit. Das liegt unter anderem daran, dass das Weinen in unserer Kultur ohnehin schon kein besonders gutes Image hat: Es gilt als Zeichen von Schwäche und Kontrollverlust. Gibt es dafür noch nicht einmal einen „guten Grund“, wirken die Tränenausbrüche für das Umfeld noch befremdlicher.

Eine Frau sitzt auf dem Sofa und weint
Scheinbar grundloses Weinen kann verschiedene Ursachen haben Foto: iStock/YakobchukOlena

„Grundloses Weinen“ ist nicht wirklich grundlos

Doch einen Grund gibt es eigentlich immer – er ist nur nicht immer offensichtlich für das Umfeld und manchmal auch nicht für die weinende Person selbst. Tatsächlich steckt hinter scheinbar unerklärlichen Tränenausbrüchen häufig eine der folgenden vier Ursachen:

1. Weinen ohne Grund: Hormone als „Übeltäter“

„Das sind nur die Hormone“: Auch wenn dieser Satz oft in unangemessenen Situationen fällt und mitunter despektierlich gemeint ist, ist er häufig wahr. Hormone haben einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Vorgänge in Gehirn und Körper, und damit auch auf unsere Stimmung.

So nimmt die Serotoninproduktion in der zweiten Hälfte des weiblichen Zyklus durch Einfluss der Geschlechtshormone Gestagen und Östrogen beispielsweise schlagartig ab und der Spiegel des Glückshormons fällt in den Keller. Da sind Auswirkungen wie Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit oder vermehrte Traurigkeit nicht verwunderlich.

In hormonellen Ausnahmezuständen wie der Schwangerschaft oder den Wechseljahren sowie unter dem Einfluss hormoneller Verhütungsmittel können die Auswirkungen dieses Wechselspiels der Hormone noch deutlich gravierender ausfallen. Während das bei der Schwangerschaft in einem „Übereifer“ der Hormone begründet ist, ist in den Wechseljahren ein Sinkflug der Geschlechtshormone schuld an möglichen Stimmungseinbrüchen, depressiven Verstimmungen und Angstzuständen.

All das kann bei den betroffenen Frauen mitunter zu Weinen ohne ersichtlichen Grund führen. Dennoch sollten sich Betroffene und Angehörige dabei bewusst sein: In Wirklichkeit steckt dahinter die massive Auswirkung der Hormone, die niemand willentlich kontrollieren kann. Es hat also nichts mit Schwäche oder Empfindlichkeit zu tun, wenn Frauen unter der Wirkung dieses Hormonchaos in Tränen ausbrechen, ohne einen konkreten Grund dafür angeben zu können.

2. Weinen ohne Grund: Stress kann dahinterstecken

Ein geschlechtsunspezifischer Auslöser von Weinen ohne Grund ist Stress. Manchmal sind es dann scheinbar nichtige Ereignisse, die das Fass zum Überlaufen und die Tränen zum Fließen bringen – etwa eine verspätete Bahn oder ein streikender Computer. In Wirklichkeit wurde dem Gehirn aber die Flut an Stresshormonen schlicht zu viel.

Der Körper benutzt den Tränenausbruch dann als Mittel, um mit dem Stress besser klarzukommen. Denn Weinen bewirkt, dass sich Atmung und Herzschlag beruhigen und zumindest eine kurzzeitige Entspannung eintritt.

3. Ohne Grund weinen: Viele Hochsensible kennen das

Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt intensiver war, können stärker mit anderen mitfühlen und sind so häufig einer starken physischen wie emotionalen Reizüberflutung ausgeliefert. Dies führt mitunter dazu, dass sie scheinbar ohne Grund weinen müssen – die Gefühlsausbrüche dienen dann dem Stressabbau und der Verarbeitung des Überangebots an Reizen.

Auch Autist:innen nehmen Informationen aus der Umwelt ungefiltert auf und leiden häufig an Reizüberflutungen; auch bei ihnen kann es passieren, dass sich ein solcher „Overload“ in spontanen Tränenausbrüchen äußert.

4. Weinen ohne Grund durch Depressionen oder andere psychische Leiden

Schließlich kann Weinen ohne Grund auch auf eine Depression oder andere psychische Erkrankungen oder Störungen hinweisen. Neben Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind weitere typische Symptome einer depressiven Erkrankung Antriebslosigkeit, Erschöpfung, fehlendes Interesse sowie Freudlosigkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Wichtig zu wissen ist dabei vor allem für das Umfeld: „Zusammenreißen“ funktioniert in einem solchen Fall nicht. Bei den Betroffenen ist der Gehirnstoffwechsel gestört, sodass die Botenstoffe ihre Funktion nicht wie bei gesunden Menschen ausführen. Wenn Menschen mit Depressionen plötzlich in Tränen ausbrechen, passiert das nicht grundlos – dahinter steckt immer ein großer Leidensdruck und eine ernstzunehmende Erkrankung, die behandelt werden sollte.

Weitere psychische Phänomene, die hinter plötzlichem Weinen ohne Grund stecken können, sind etwa die Borderline-Persönlichkeitsstörung und die bipolare Störung.

Affektinkontinenz: Grundloses Weinen als Anzeichen einer bedrohlichen Erkrankung

Deutlich seltener ist die Ursache von grundlosem Weinen eine ernsthafte Erkrankung des Gehirns wie ein Schlaganfall oder eine Demenz. Betroffene brechen dann manchmal für wenige Sekunden oder Minuten in Weinen aus, obwohl dieser Gefühlsausbruch gar nicht zu ihrer derzeitigen Stimmung passt. Mediziner:innen bezeichnen dieses Phänomen als Affektinkontinenz. Diese kann auch Folge eines Drogen- oder Alkoholmissbrauchs sein.

Ich weine häufig ohne Grund: Wann zum Arzt?

Wer häufig ohne Grund weinen muss und selbst darunter leidet, sollte bei einem Arztbesuch abklären lassen, ob gegebenenfalls eine gesundheitliche Ursache hinter den unbeabsichtigten Tränenausbrüchen steckt. In vielen Fällen kann dann eine passende Therapie eine schnelle Linderung bringen. Und manchmal hilft es auch schon, den Grund für das plötzliche Weinen zu kennen, um besser damit umgehen zu können.

In jedem Fall gilt aber: Weinen ohne Grund ist kein Zeichen einer Charakterschwäche – es steckt immer eine Ursache dahinter, auch wenn die nicht auf den ersten Blick für alle Umstehenden ersichtlich ist.

Quellen:

Sharman, Leah S., et al. (2020): Using crying to cope: Physiological responses to stress following tears of sadness, in: Emotion

Affektinkontinenz, in: pschyrembel.de

Wechseljahresbeschwerden / klimakterische Beschwerden, in: frauenaerzte-im-netz.de