Was die Zunge mit der Figur zu tun hat

Die Zunge mit ihren zahlreichen Geschmacksknospen hat große Auswirkungen auf unseren Körper. Welche Rolle sie bei der Figur spielt.

Frau streckt die Zunge raus
Auf der menschlichen Zunge gibt es Knospen, die auf Fett reagieren. Das könnte die Entwicklung von Übergewicht erklären Foto: Istock/Deagreez

Die Zunge ist eines der wichtigsten Muskeln in unserem Körper. Mit ihren zahlreichen Geschmacksknospen und Nerven ist sie besonders wichtig für unsere Nahrungsaufnahme. Mehr noch: Sie gibt Hinweise auf verschiedene Krankheiten oder Störungen im Verdauungstrakt. Forscher:innen stellten nun jedoch auch fest, dass sie sogar immense Auswirkungen auf unsere Figur hat. Wieso? Ausschlaggebend dafür ist ein Geschmackssinn, den viele von uns gar nicht kennen. Oder haben Sie schon einmal etwas vom sechsten Geschmackssinn gehört?

Was steckt hinter dem sechsten Geschmack?

Süß, salzig, herzhaft, sauer und bitter – das sind die bekanntesten Geschmackssinne. Eine Untersuchung des Forscherteams um Prof. Russel Keast von der Deakin University in Australien hat jetzt ergeben, dass der Mensch offenbar auch Fett als eigenen Geschmack über die Zunge wahrnehmen kann. Ihren Ergebnissen nach unterscheidet sich allerdings die Fähigkeit der Fettwahrnehmung von Mensch zu Mensch. Vielleicht ist das ein entscheidender Hinweis darauf, warum manche Menschen deutlich mehr Fett essen als andere.

Besondere Zungenfertigkeit: Nicht alle können Fett erschmecken

Im Fachmagazin Obesity berichten die Wissenschaftler:innen über ihre Versuche mit 53 Proband:innen, die nach dem Zufallsprinzip für sechs Wochen zwei verschiedenen Diäten folgten: entweder einer fettarmen Ernährung oder einer sogenannte Portions-Diät, bei der alle Lebensmittel in die bekannten Kategorien Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett, Gemüse und Obst eingeteilt werden. Dabei hat jede Kategorie ihre Portionsgröße, d.h. es darf jeweils nur ein bestimmter Anteil davon pro Tag verzehrt werden.

Vor und nach jeder Diät maßen die Forscher:innen die Fettgeschmacksempfindlichkeit der Teilnehmer:innen. Außerdem sammelten die Wissenschaftler Angaben zu Gewicht, Größe und Hüftumfang der Probanden.

Dabei entdeckten die Forscher:innen einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Fähigkeit, Fett zu schmecken. Demnach aßen die Proband:innen aus der Gruppe der fettarmen Ernährung, deren Geschmackssinn für Fett ausgeprägt ist und die somit sehr geringe Konzentrationen von Fett schmecken, weniger Fett als diejenigen mit weniger sensiblen Geschmacksknospen.

"Es ist klar, dass unsere Fähigkeit, Fett zu schmecken, ein Faktor für die Entwicklung von Fettleibigkeit ist", so Studienleiter Prof. Keast. "Die Ergebnisse dieser neuen Studie und frühere Untersuchungen zeigen deutlich, dass eine größere Fettgeschmacksempfindlichkeit uns von einem übermäßigen Konsum fetthaltiger Lebensmittel abhalten kann. Wären die Menschen in der Lage, Fett besser aus Lebensmitteln herauszuschmecken, hätten sie ein sensibleres Gefühl für ihren Appetit und ihre Nahrungsaufnahme."

Zungendiagnostik zum Abnehmen: So funktionieren Fettrezeptoren auf der Zunge

Die Wissenschaftler:innen vermuten, dass der Körper bei Menschen mit einem schlechten Geschmackssinn für Fett die aufgenommene Menge nicht erkennt und daher nicht signalisiert, dass kein Fett mehr gegessen werden soll. Der Grund dafür könnte an der Verteilung der CD36-Rezeptoren liegen. Der Rezeptor sitzt auf den Geschmacksknospen der Zunge und erkennt ein Fettmolekül als solches. Jeder Mensch ist mit einer unterschiedlichen Anzahl dieser "Sensoren" ausgestattet. Mehr Rezeptoren bedeuten gleichzeitig ein höheres Feingefühl für Fett. Das heißt: Wer mehr Rezeptoren hat, kann Fett auch besser herausschmecken. In weiteren Untersuchungen wollen die Wissenschaftler:innen nun herausfinden, ob und wie die Fettrezeptoren trainiert werden können.

Kann also künftig eine Zungendiagnostik sogar beim Abnehmen helfen? Denkbar wäre es. Fest steht jedenfalls, die Zunge und ihre Geschmacksrezeptoren haben einen bedeutenden Einfluss auf unsere Figur.