Toasted-Skin-Syndrom: Unterschätzte Gefahr durch Wärmflaschen

Wärmflaschen stehen vor allem jetzt, in Zeiten hoher Energiepreise, hoch im Kurs – allerdings spricht eines gegen eine tägliche Anwendung: Das Toasted-Skin-Syndrom. Was es damit auf sich hat und wie Sie es erkennen können.

Eine Frau liegt mit einer Wärmflasche im Bett
Foto: iStock_Denis Stankovic

Wärmflaschen sind für viele Menschen in der kalten Jahreszeit unverzichtbar – sie spenden nicht nur wohlige Wärme, sondern helfen auch bei Schmerzen, Krämpfen und Verspannungen. Vielen Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass Wärmeanwendungen nicht ganz unbedenklich sind: Wer seiner Haut zu oft und zu lange Hitze aussetzt, riskiert das sogenannte Toasted-Skin-Syndrom.

Was ist das Toasted-Skin-Syndrom?

Als Toasted-Skin-Syndrom – auf Deutsch getoastete-Haut-Syndrom – wird eine bräunliche Hyperpigmentierung der Haut bezeichnet, die durch wiederholte Hitzeeinwirkung entsteht. Die medizinische Bezeichnung dafür lautet „Erythema ab igne“, was übersetzt „Röte durch Feuer“ bedeutet. Zu den Hautveränderungen kommt es beispielsweise, wenn wiederholt eine Wärmflasche zu lange auf einer Körperstelle liegt.

Aber nicht nur Wärmflaschen, sondern auch Heizdecken und -kissen oder eine zu hoch eingestellte Sitzheizung im Auto können der Haut schaden. Die Gefahr lauert aber auch an ganz anderer Stelle: Wenn es zur Gewohnheit wird, den heiß gelaufenen Laptop im Homeoffice den ganzen Tag auf dem Schoß liegen zu haben, kann es ebenfalls zu den unschönen Hautveränderungen kommen.

Das Toasted-Skin-Syndrom ist jedoch alles andere als ein neuartiges Phänomen. Der deutsche Hautarzt Abraham Buschke beschrieb es bereits 1911 und nannte es Hitzemelanose. Damals handelte es sich um eine Berufskrankheit, die sich vor allem bei Schmieden, Heizern und Lokführern entwickelte – bei Menschen also, die täglich Hitze oder offenem Feuer ausgesetzt waren. Heutzutage kommt es auch bei Köch:innen und Bäcker:innen aufgrund der Hitzeeinwirkung durch Herd und Ofen zu Verfärbungen an den Unterarmen.

Wodurch macht sich ein Toasted-Skin-Syndrom bemerkbar?

Ob sie am Toasted-Skin-Syndrom leiden, können Betroffene leicht erkennen: Die Hyperpigmentierung äußert sich durch eine netzartige, bräunliche Verfärbung der Haut, die unterschiedlich stark ausfallen kann – je größer und öfter die Hitzeeinwirkung, desto stärker die Pigmentierung. In manchen Fällen kommen Juckreiz und ein brennendes Gefühl als Begleitsymptome hinzu. Zudem kann die Haut mit Schuppenbildung reagieren, da die Wärme austrocknend wirkt.

Die Hitzemelanose ist vornehmlich ein kosmetisches Problem und an sich nicht gefährlich. Allerdings vermuten Mediziner:innen, dass das Risiko für Hautkrebs erhöht ist, wenn die Haut über Jahre regelmäßig mit Wärmeanwendungen in Berührung kommt. Ist das Toasted-Skin-Syndrom chronisch, sind die Hautveränderungen zudem irreversibel. Das bedeutet, dass die braunen Flecken zwar verblassen, aber nie ganz verschwinden.

Wie entsteht das Toasted-Skin-Syndrom?

Die Hyperpigmentierung wird durch Schäden an den Blutgefäßen hervorgerufen. Wird die Haut Wärme ausgesetzt, kommt es zunächst zu einer Weitstellung der Gefäße, was durch eine Rötung der Haut sichtbar wird. Diese klingt schnell von alleine wieder ab. Bei zu langer und zu häufiger Hitzeeinwirkung kommt es zu Schädigungen an Gewebe und Blutgefäßen. In der Folge treten vermehrt rote Blutkörperchen aus den Gefäßen aus, die ein eiweißhaltiges Abbauprodukt (Hämosiderin) ausscheiden. Dieser Eiweißkomplex ist es, der die betroffene Hautstelle schließlich braun erscheinen lässt.

Hitzemelanose durch wiederholte Wärmeeinwirkung

Das Risiko, das Toasted-Skin-Syndrom zu entwickeln, besteht vor allem für Menschen, die regelmäßig oder gar täglich Wärmeanwendungen nutzen oder ihre Haut mit heißen Gegenständen (wie etwa einem Laptop) in Berührung kommen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Haut durch Kleidung scheinbar geschützt ist.

Die Hitze dringt dennoch bis zur Haut durch, da die Temperaturen bei Wärmflaschen, Heizdecken oder -kissen häufig zwischen 40 und 45 Grad liegen – dabei sterben bereits ab 45 Grad Zellen ab. Selbst Temperaturen bis 47 Grad werden meist als angenehm empfunden, obwohl es schon ab etwa 50 Grad zu Verbrennungen kommt. Das subjektive Empfinden kann somit darüber hinwegtäuschen, dass die Wärme schädliche Auswirkungen hat.

Hitzemelanose – was tun?

Wer das Toasted-Skin-Syndrom bei sich entdeckt, kann nicht mehr tun, als abzuwarten. Denn eine spezielle Behandlung der Hitzemelanose gibt es nicht. Mit der Zeit verblassen leichte bräunliche Verfärbungen immer mehr, bis sie irgendwann nicht mehr zu sehen sind. Doch, damit die Flecken verschwinden und sich die Haut erholen kann, darf sie nicht erneuert Hitze ausgesetzt werden. Auf Wärmeanwendungen sollte man daher eine Zeit lang verzichten. Auch das Ablegen des Laptops auf dem Schoß ist tabu.

Zusätzlich ist es sinnvoll, ein- bis zweimal täglich Serum mit Vitamin C auf die betroffene Hautstelle aufzutragen. Denn das Antioxidans repariert geschädigte Zellen und reduziert Pigmentstörungen. Milde Körperpeelings und Feuchtigkeitscremes mit Panthenol, Aloe vera und Urea mildern Begleiterscheinungen wie Jucken und Brennen und unterstützen die Regeneration der Haut.

Als Vorbeugemaßnahe gegen das Toasted-Skin-Syndrom sollten Wärmflaschen, Heizkissen und Co. nicht länger als 15 Minuten auf der Haut aufliegen und Temperaturen über 40 nicht übersteigen.