Studie: Langer Mittagsschlaf kann krank machen

Ein Nickerchen tut gut, um neue Energie zu tanken. Studien offenbaren jedoch, dass der Mittagsschlaf gar nicht so unproblematisch ist, wie man gemeinhin annimmt. Denn regelmäßiger Schlaf am Tag kann nicht nur ein ungeahnter Vorbote für verschiedene Erkrankungen sein, sondern möglicherweise auch krank machen.

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Das Nickerchen am Tag ist bei älteren Menschen ein normaler Teil des Alterns - aber es kann auch ein Vorbote von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen sein. Und sobald eine Demenz oder ihre übliche Vorstufe, die leichte kognitive Beeinträchtigung, diagnostiziert wird, nimmt die Häufigkeit oder Dauer des Nickerchens laut einer neuen Studie rasch zu. Wie lange ein Mittagsschlaf dauern sollte, ist also eine ernstzunehmende Frage, die das Risiko früher zu sterben beeinflussen kann.

Demenzrisiko steigt bei Tagesmüdigkeit um bis zu 40 Prozent

Forschende der Harvard Medical School und der UC San Francisco wollten es genau wissen. Sie beobachteten 1.400 ältere Menschen über 14 Jahre lang. Die ausgewerteten Langzeitdaten ergaben, dass eine Tagschläfrigkeit bei Senioren das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent steigern kann.

Die vorwiegend weiblichen Teilnehmerinnen der Studie trugen ein Uhr-ähnliches Gerät, das die Mobilität erfasst. Jeder längere Zeitraum der Nichtaktivität zwischen 9 und 19 Uhr wurde als Nickerchen gewertet. Das Gerät wurde jedes Jahr ununterbrochen bis zu 14 Tage lang getragen, und einmal im Jahr unterzog sich jede:r Teilnehmer:in einer Reihe von neuropsychologischen Tests zur Bewertung der Kognition.

Zu Beginn der Untersuchungen hatten 76 Prozent der Teilnehmenden keine geistigen Beeinträchtigungen. 20 Prozent litten unter leichten kognitiven Beeinträchtigungen und vier Prozent litten unter Alzheimer. Am Ende der Beobachtungszeit waren 25 Prozent der Teilnehmer:innen an Alzheimer erkrankt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Alzheimer’s and Dementia" veröffentlicht.

Langer Mittagsschlaf und Demenz in Wechselbeziehung

Die Studie weicht von der Theorie ab, dass das Nickerchen am Tag bei älteren Menschen lediglich dazu dient, den schlechten Schlaf in der Nacht zu kompensieren. Stattdessen verweist sie auf Arbeiten anderer Forscher, die darauf hindeuten, dass Demenz die wachmachenden Neuronen in Schlüsselbereichen des Gehirns beeinträchtigen kann.

"Wir fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen übermäßigem Nickerchen am Tag und Demenz auch dann noch bestand, wenn man die nächtliche Schlafmenge und -qualität berücksichtigte", so Co-Autor Yue Leng von der UCSF-Abteilung für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften. "Das deutet darauf hin, dass das Nickerchen am Tag selbst eine wichtige Rolle spielt und unabhängig vom nächtlichen Schlaf ist", ergänzt Leng.

Bei ausreichendem Schlaf in der Nacht konnten die Forschenden demnach nachweisen, dass ein ausgiebiger Mittagsschlaf durchaus ein Signal für eine bestehende Demenz sein könnte. Langer Mittagsschlaf und Alzheimer-Demenz stehen somit möglicherweise in einer Wechselbeziehung oder haben gemeinsame körperliche Mechanismen.

Eine Stunde Mittagsschlaf: Vorbote für Alzheimer?

Bereits in früheren Studien kam der Verdacht auf, dass Mittagsschlaf im Zusammenhang mit Gesundheitsrisiken steht. Eine Metastudie aus China ergab, dass bei Menschen, die tagsüber schlafen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 34 Prozent erhöht sei. Sogar das Sterberisiko sei um 30 Prozent erhöht, im Vergleich zu Menschen, die keinen Mittagsschlaf machen.

Mit der neuen Studie kommt ein zusätzlicher Beweis: Mehr als eine Stunde am Tag einen Mittagsschlaf abzuhalten, kann auf gesundheitliche Risiken hinweisen.

Denn die Forschenden aus den USA konnten feststellen: Bei Teilnehmenden der Studie, die keine kognitiven Beeinträchtigungen entwickelten, nahm das tägliche Nickerchen um durchschnittlich 11 Minuten pro Jahr zu. Die Steigerungsrate verdoppelte sich nach der Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung auf insgesamt 24 Minuten und verdreifachte sich fast auf insgesamt 68 Minuten nach der Diagnose der Alzheimer-Krankheit.

Als die Forscher die 24 Prozent der Teilnehmenden untersuchten, die zu Beginn der Studie normale kognitiven Leistungen zeigten, aber sechs Jahre später an Alzheimer erkrankten, und sie mit denen verglichen, deren Kognition stabil blieb, fanden sie Unterschiede in den Schlafgewohnheiten. Teilnehmer, die mehr als eine Stunde am Tag oder mindestens einmal am Tag schliefen, hatten ein 40 Prozent höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Power Nap – wie lange darf er gehen?

Bei der aktuellen Studie der Harvard Medical School und der UCSF wurden hauptsächlich Menschen in einem hohen Lebensalter beobachtet. Deswegen für alle Altersgruppen zu folgern, dass ein kurzer Power Nap am Tag auf eine drohende Demenz- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung hinweist, würde sicher zu weit gehen. Dennoch scheinen Studien zu Schlafgewohnheiten am Tag immer wieder zu belegen, dass zu langes Ruhen nicht rein positiv zu betrachten ist.

Doch bis zu 30 Minuten Mittagsschlaf können vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, wie Forschende aus Athen herausfanden. Wenn Sie allerdings häufiger als zweimal pro Woche mittags schlafen, verschwindet der für Herz- und Kreislauf positive Effekt, wie eine Studie aus Kalifornien belegt.

Quellen:

Extended Napping in Seniors May Signal Dementia, in: ucsf.edu

Association of napping and all-cause mortality and incident cardiovascular diseases: a dose–response meta analysis of cohort studies, in: sciencedirect.com

Siesta in Healthy Adults and Coronary Mortality in the General Population, in: jamanetwork.com

To nap or not to nap: more questions than answers, in: heart.bmj.com