Schwangerschaftsschnupfen: Eine Frage der Hormone

Ein Schwangerschaftsschnupfen kann lästig sein: Die Nase juckt und ist verstopft, und das oft über Wochen. Woher kommt der Schnupfen in der Schwangerschaft und was hilft gegen die hartnäckigen Beschwerden?

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Verstopfte Nase und kein Ende in Sicht – das Phänomen Schwangerschaftsschnupfen wird im Vergleich zu Morgenübelkeit, Rückenschmerzen und Sodbrennen eher selten diskutiert und ist daher vielen Frauen nicht bekannt. Sie wundern sich, dass ihre Nase andauernd verstopft ist oder nach einem Infekt gar nicht mehr abschwillt. Dabei betrifft die sogenannte Schwangerschaftsrhinitis etwa jede vierte Schwangere.

Schnupfen in der Schwangerschaft: Was sind die Ursachen?

Schwangerschaftsschnupfen ist ein sogenannter hormoneller Schnupfen, weil er durch die Hormonumstellung ausgelöst wird: In der Schwangerschaft steigt der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron explosionsartig an. Sie sorgen dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut stark durchblutet und das ungeborene Baby gut versorgt wird. Als Nebeneffekt verändern sich auch andere Schleimhäute wie jene der Nase – Fachleute bezeichnen diesen Effekt als endokrine nasale Hyperreaktivität.

Der hartnäckige Schwangerschaftsschnupfen hält meist länger als sechs Wochen an. Somit zählt er zu den chronischen Schnupfenarten.

Wer schwanger ist, hat mit stärkerem Schnupfen und anderen Symptomen zu kämpfen

Einerseits schwellen die Nasenschleimhäute an und führen zu einer verstopften Nase. Den Schwangeren fällt dadurch das Durchatmen schwer, was vor allem im dritten Trimester sehr belastend sein kann. Darüber können sich bestehende Beschwerden durch eine Schwangerschaft verstärken. So nehmen Symptome eines allergischen Schnupfens, die sonst nur leicht vorhanden sind, zu.

Hausstaubmilben-Allergikerinnen merken den Schwangerschaftsschnupfen oft nachts, wenn die Nase im Bett plötzlich zuschwillt. Zudem reagiert die gut durchblutete Schleimhaut sensibler auf mechanische Reize, juckt häufiger und schon kleinste Verletzungen führen schnell zu Nasenbluten. Kopfschmerzen, Müdigkeit und leichtes Schnarchen sind häufige Begleitsymptome.

Schwangerschaftsschnupfen: Ab wann tritt er auf?

Manche Frauen fragen sich, ob ein Schwangerschaftsschnupfen als erstes Anzeichen für eine Frühschwangerschaft gelten kann. Das ist zwar nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich – Auslöser einer verstopften Nase zu Beginn der Schwangerschaft sind oftmals Infekte, Allergien und übersensible Nasenschleimhäute (sogenannte vasomorische Rhinitis). In dieser Zeit weisen typischerweise andere Symptome auf eine mögliche Empfängnis hin, wie Müdigkeit oder Übelkeit.

Schwangerschaftsschnupfen macht sich meist erst im zweiten oder dritten Trimester richtig bemerkbar, wenn die auslösenden Hormone noch weiter in die Höhe schießen.

Hormonell bedingter Schnupfen: Ist er ein Hinweis auf das Geschlecht des Babys?

Spitzer oder runder Bauch, strahlende oder unreine Haut – wer schwanger ist, hört von verschiedenen Anzeichen, die die Geburt eines Mädchens oder eines Jungen voraussagen sollen. Für die meisten gibt es keine wissenschaftliche Evidenz. Aber gibt es einen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsschnupfen und dem Geschlecht des ungeborenen Babys?

Die Antwort lautet: vielleicht. Bei einer kroatischen Studie mit 681 schwangeren Frauen verglichen die Forschenden, wer von ihnen unter einer Schwangerschaftsrhinitis litt und welches Geschlecht später die Babys hatten. Dabei stellte sich heraus, dass der Schnupfen bei Müttern von Töchtern häufiger auftrat.

Wissenschaftler:innen der Ohio State University fanden zudem heraus, dass das Immunsystem bei Frauen mit einem weiblichen Fötus im Bauch mit stärkeren Entzündungsreaktionen reagiert: Im Vergleich zu Schwangeren mit männlichen Föten produzierten ihre Abwehrzellen mehr organische Verbindungen (proinflammatorische Zytokine), die an entzündlichen Schwellungen der Nasenschleimhaut beteiligt sind. Ob es tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen diesem Effekt und Schwangerschaftsschnupfen gibt, ist jedoch noch nicht erforscht.

Schnupfen in der Schwangerschaft: Hausmittel, die helfen

Schnupfen in der Schwangerschaft – was tun? Verständlicherweise möchten werdende Mütter die Beschwerden schnell loswerden, da sie den Schlaf stören und das Allgemeinempfinden beeinträchtigen können. Meist helfen einfache Tipps und Hausmittel gegen den Schnupfen in der Schwangerschaft:

  • Leichtes körperliches Training kann dazu beitragen, dass die Nasenmuscheln abschwellen. Gut geeignet sind zum Beispiel Fahrradfahren, Spazierengehen, Yoga oder Gymnastik für Schwangere.

  • Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend trinken, mindestens anderthalb Liter pro Tag, damit die Schleimhäute mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt werden.

  • Befeuchten Sie die Raumluft, insbesondere bei laufender Heizung in der kalten Jahreszeit, zum Beispiel durch Wasserschalen, feuchte Handtücher über der Heizung oder einen elektrischen Luftbefeuchter. So verhindern Sie, dass die Schleimhäute austrocknen, was das Risiko für Schwellungen erhöht.

  • Inhalationen sind ein gutes Hausmittel bei Schnupfen in der Schwangerschaft, etwa auf Basis von Kochsalzlösungen (zwei gestrichene Teelöffel Salz auf einen Liter Wasser) oder Kamille. Sie sollten einen Vernebler (Diffuser) verwenden, damit die Inhaltsstoffe besser in den Atemwegen verteilt werden.

  • Auch Nasenspray oder Nasenspülungen auf Salzbasis sind unbedenkliche Helfer bei Schwangerschaftsrhinitis.

  • Mit speziellen Nasenpflastern lassen sich die Nasenlöcher weiten, was zum Beispiel die Nasenatmung in der Nacht erleichtern kann.

Schwanger und verstopfte Nase: Helfen Medikamente?

Viele Frauen sind sich unsicher, welche Medikamente sie einnehmen dürfen, wenn sie schwanger sind und Schnupfen haben. Tatsächlich empfiehlt es sich, vor der Einnahme von Medikamenten in der Hausarzt- oder Frauenarztpraxis nachzufragen. Viele Erkältungsmittel sind sogenannte Mischpräparate, die entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSRA) enthalten – zum Beispiel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Diese sind aber für Schwangere nicht oder nur eingeschränkt empfehlenswert.

Schwangere können zwar auf abschwellende Nasentropfen oder -sprays zurückgreifen, zum Beispiel auf Xylometazolin oder Oxymetazolin. Diese sollten jedoch nicht länger als sieben Tagen verwendet werden, sonst gewöhnt sich der Körper an die Wirkstoffe und die Nasenschleimhäute schwellen noch stärker an. Da ein Schwangerschaftsschnupfen oft über Wochen besteht, sind diese Mittel zur Behandlung somit ungeeignet.

Die gute Nachricht ist: Hormoneller Schnupfen vergeht, sobald sich der Hormonspiegel verändert. Spätestens innerhalb von zwei bis drei Wochen nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsschnupfen von allein.