Schlaganfall-Medikament: Ernster Lieferengpass in Deutschland

Kliniken bundesweit sind alarmiert: Ein weltweit nur in Deutschland produziertes Schlaganfall-Medikament wird knapp. Bevorstehende Lieferengpässe könnten zu einer Unterversorgung von Betroffenen eines ischämischen Schlaganfalls führen. Was Sie jetzt dazu wissen müssen.

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Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim hat bevorstehende Lieferengpässe des Medikaments Actilyse angekündigt. Es könne sogar zu zeitweiligen Lieferstopps kommen. Kliniken in ganz Deutschland – besonders die rund 350 zertifizierten Schlaganfallzentren (Stroke Units) – sind alarmiert.

Denn Actilyse ist das weltweit einzige Medikament, das bei ischämischen Schlaganfällen höchstwirksam eingesetzt wird.

Schlaganfall-Medikament wird knapp

Ischämische Schlaganfälle sind die häufigste Form von Schlaganfällen. Dabei wird die Blutzufuhr des Gehirns durch eine arterielle Verstopfung – z.B. ein Blutgerinnsel – blockiert und es kommt zu einem Sauerstoffmangel. Actilyse schafft es bei rechtzeitiger Gabe durch den Wirkstoff Alteplase, jene Blutklumpen aufzulösen.

Nun bestätigt Boehringer Ingelheim bevorstehende Lieferengpässe und mögliche Lieferstopps bis Dezember.

Lieferengpass in Deutschland, weil der Bedarf steigt

Die Herstellung des Wirkstoffs Alteplase ist derart kompliziert, dass weltweit nur Boehringer Ingelheim den Aufwand betreibt. Produziert wird Actilyse in einem Werk in Biberach.

Das Problem: Da die Weltbevölkerung immer älter wird und im Alter das Risiko auf einen ischämischen Schlaganfall steigt, steigt auch der Bedarf an dem biologischen Medikament.

Verschärft wird die Situation zusätzlich, nachdem im Frühjahr mehrere Chargen Actilyse wegen "Qualitätsabweichungen", wie Boehringer Ingelheim es bezeichnet, nicht verkauft werden konnten.

Lieferengpass Schlaganfall-Medikament: Produktion hochgefahren

In Zusammenarbeit mit den Kliniken in Deutschland will Boehringer Ingelheim die Lieferengpässe so gut wie möglich abfedern.

Zum einen werden die Produktionskapazitäten in Biberach hochgefahren. Ab Oktober könne man mehr Actilyse herstellen, bestätigte ein Sprecher gegenüber der "FAZ". Zusätzlich solle die Produktion bald in ein Werk in Wien verlagert werden. Wann dies geschieht, ist jedoch nicht bekannt.

Actilyse: Kliniken in Deutschland müssen besser haushalten

Aktuell erhalten die bundesweit rund 350 zertifizierten Schlaganfallzentren (Stroke Units) nur noch 90 Prozent der gewohnten Liefermenge Actilyse. Von den restlichen 10 Prozent sollen Reserven für die kommenden Monate aufgebaut werden.

Auch die Versorgung mit dem Medikament wird nun strenger überwacht. Für Transparenz sorgt ein Ampelsystem. Reicht der Actilyse-Bestand einer Klinik weniger als zwei Wochen, springt die Ampel auf Rot und zeigt einen Versorgungsmangel an.

Außerdem passt Boehringer Ingelheim die Gebrauchseinheiten von Actilyse an. In Zukunft werden vermehrt kleinere Einheiten des biologischen Medikaments verpackt. Denn Actilyse wird nach Körpergewicht dosiert. Braucht eine Person beispielsweise 70 mg des Medikaments, werden nicht mehr zwei 50-mg-Packungen geöffnet, wodurch 30 mg Verwurf entsorgt werden müssten.

All diese Maßnahmen können die Lieferengpässe des Schlaganfall-Medikaments in Deutschland nicht mehr verhindern, aber zumindest abfedern.

Quelle:

Lieferengpass bei Medikament für Schlaganfälle, in: faz.net