Was tun bei Reizdarm? Wirksame Tipps, um die Verdauung zu beruhigen

Was tun bei Reizdarm? Diese Fragen stellen sich Betroffene, die die Diagnose Reizdarmsyndrom bekommen haben. Sie leiden fast täglich an Verstopfung, Durchfall und Blähungen – scheinbar ohne erkennbaren Grund. Welche Maßnahmen bei einem Reizdarm helfen, um die Beschwerden zu lindern.

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Hin und wieder schmerzt der Bauch, der Stuhlgang ist zu weich oder zu hart – diese Verdauungsprobleme kennt jeder. Meist sind die Beschwerden ebenso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht sind. Doch bei einigen Menschen kehren sie immer wieder zurück, obwohl organisch alles in Ordnung ist. Ärzt:innen sprechen dann von einem Reizdarmsyndrom. Typische Anzeichen sind Schmerzen und Krämpfe im Bauch, die sich nach dem Stuhlgang bessern. Hinzukommen Blähungen und abwechselnd Verstopfung und Durchfall. Viele Betroffene fragen sich deshalb: Was tun bei Reizdarm?

Eine dauerhafte Heilung gibt es zwar nicht. Die richtige Therapie und verschiedene Maßnahmen für zu Hause können die Beschwerden aber deutlich lindern.

Symptom-Tagebuch kann bei Reizdarm helfen, die Beschwerden einzuordnen

Wenn der Verdacht auf Reizdarm besteht, raten Ärzt:innen oft dazu, ein Symptom-Tagebuch zu führen. Dieses kann bereits Hinweise auf die mögliche Therapie geben, weil anhand der Dokumentation nachvollzogen werden kann, was die möglichen Trigger des Reizdarmsyndroms sind.

In dem Tagebuch wird über mehrere Wochen festgehalten, was gegessen wird, welche Medikamente eingenommen werden, wie das seelische Befinden ist, welche körperlichen Beschwerden auftreten und wie der Stuhlgang ausfällt. Auch wenn es mühselig erscheinen mag: Es lohnt sich, das Tagebuch zu führen!

Welches Medikament bei Reizdarm?

Zunächst ist es wichtig, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt bzw. der Ärztin über mögliche medikamentöse Behandlungsschritte zu sprechen. Sind krampflösende Medikamente oder Mittel gegen Verstopfung in Ihrem Fall sinnvoll? Ist es ratsam, Antidepressiva einzunehmen, die auch bei Reizdarm hin und wieder verschrieben werden? Oder sind Antibiotika angeraten?

Wichtig dabei ist zu wissen, dass die Arzneimittel nur die Symptome bekämpfen, die Krankheit jedoch nicht. Wenn Medikamente nach drei Monaten nicht ansprechen, werden sie in der Regel abgesetzt.

Reizdarm – was hilft? Essen spielt eine wichtige Rolle

Die Ernährung steht in der Reizdarm-Behandlung oft im Vordergrund. Zum einen geht es darum, die Essgewohnheiten genauer unter die Lupe zu nehmen und zum anderen die Lebensmittel, die eine Symptomverschlimmerung auslösen können.

Die Ernährung sollte immer individuell auf die jeweiligen Symptome abgestimmt werden, da bei jedem Betroffenen die Beschwerden recht unterschiedlich ausfallen können – und somit auch die Ernährungsempfehlung.

Eine allgemeingültige Reizdarm-Diät gibt es zwar nicht, dafür aber einige Ernährungsregeln, die vielen Reizdarm-Betroffenen helfen – probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

Stellen Sie Ihre Essgewohnheiten auf den Prüfstand:

  • Statt großer Portionen hilft es vielen Reizdarm-Patient:innen, lieber mehrere kleine Mahlzeiten einzunehmen.

  • Lassen Sie sich beim Essen nicht hetzen, sondern lassen Sie sich Zeit.

  • Durch gutes Kauen wird die Nahrung im Mund vorverdaut, was Magen, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Galle entlastet.

Passen Sie Ihre Ernährung nach Ihren Bedürfnissen an:

  • Wenn Sie nach dem Verzehr von Milchprodukten Beschwerden haben, könnten Sie versuchen, auf laktosefreie Milchprodukte umzusteigen. Neben Lebensmitteln, die einen künstlich verringerten Laktosegehalt haben, gibt es auch solche, die von Natur aus laktosefrei sind. Zum Beispiel Edamer, Gouda, Parmesan, Schafskäse Bergkäse und Emmentaler.

  • Weißmehlprodukte möglichst reduzieren, dafür mehr Vollkornprodukte essen (Haferflocken, Vollkornnudeln, Vollkornreis)

  • Öfters leicht verdauliche Lebensmittel mit löslichen Ballaststoffen auf den Speiseplan setzen – und blähende Lebensmittel vermeiden

  • Zuckerarme Getränke ohne Kohlensäure bevorzugen

  • Keine scharfen Gewürze wie Chili verwenden

  • Den Konsum von Alkohol und Nikotin reduzieren

Weitere Informationen zur Ernährung bei Reizdarm erhalten Sie hier.

FODMAP-Diät bei Reizdarm

FODMAP – ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom schnell fällt. Das Prinzip dahinter: Man verzichtet auf gärende Kohlenhydrate, da diese im Verdacht stehen, die Reizdarm-Symptome zu verstärken. Da jedoch durch die FODMAP-Diät wichtige Nährstoffe fehlen könnten, ist eine solche Ernährungsumstellung nur mit professioneller Unterstützung (Ernährungsberater) empfehlenswert. Empfohlen wird diese Ernährungsform bei Schmerzen, Blähungen, Verstopfung und Durchfall.

Was tun bei Reizdarm? Probiotika für die Darmflora

Probiotika sind Mittel, die lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien oder Hefen enthalten und bei der Behandlung eines Reizdarmsyndrom angewendet werden können. Probiotika sind zum Beispiel natürlicher Bestandteil von Joghurt, Kefir oder Buttermilch, können aber auch in der Apotheke als Nahrungsergänzungsmittel gekauft werden.

Die Wirkung? Die Studienlage ist zwar recht kontrovers, dennoch wird davon ausgegangen, dass Probiotika einen positiven Einfluss auf die Darmflora nehmen können.

Was hilft bei Reizdarm? Sport – und keine Ausreden!

Den ärztlichen Behandlungsleitlinien zum Reizdarmsyndrom zufolge hilft Sport vielen Patient:innen. Dabei stützen sich die Wissenschaftler:innen auf Studien, die zeigen, dass körperliche Aktivität einen positiven Effekt auf die Beschwerden haben kann. Wer sich demnach fünfmal die Woche für jeweils 30 Minuten „moderat“ bewegt, könnte nach zwölf Wochen bzw. drei Monaten eine deutliche Verbesserung bei Verstopfungsbeschwerden bemerken.

Empfehlenswert sind zum Beispiel Nordic Walking und Radfahren. Auch Wandern, Laufen und Schwimmen können den Darm auf Trab bringen. Testen Sie aus, welche Sportart Ihnen am meisten liegt.

Was bei Reizdarm hilft: Den gestressten Darm beruhigen

Ein aufgeblähter Bauch bei zu hastigem Essen, Durchfall vor einer angstauslösenden Situation oder auch Verstopfung, wenn das Stresslevel zu hoch ist – all dies sind Hinweise darauf, dass Stress und psychische Belastungen Trigger für die Reizdarm-Symptome sein könnten.

Umso wichtiger ist es, im Alltag Ruheoasen einzubauen und sein Stresslevel zu senken. Helfen können zum Beispiel Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung und autogenes Training. Auch Yoga, Meditation und Atemübungen können für einen Moment den Stress vergessen lassen und Körper und Geist entspannen – und eine Wärmflasche, wenn sich Bauchschmerzen ankündigen.

Wenn eine Depression oder Angststörung diagnostiziert wird, sollte in Erwägung gezogen werden, sich psychotherapeutisch behandeln lassen, zum Beispiel im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Tipp: Wenn Sie Bewegung und Entspannung kombinieren möchten, versuchen Sie es mit einer Gehmeditation. Dabei gehen Sie zwar nicht schnellen Schrittes, dennoch kann die langsame und achtsame Bewegung an der frischen Luft einen Entspannungseffekt haben – und den nervösen Darm fürs Erste beruhigen.

Was hilft bei Reizdarm? Mit Heilpflanzen gegensteuern

Mutter Natur hält viele Pflanzen bereit, die Reizdarmsymptome auf natürliche Weise lindern und Magen und Darm beruhigen können.

Diese Kräuter können Sie bei Reizdarm ausprobieren:

Tipp: Neben den genannten Pflanzen kann auch Heilerde bei Magenschmerzen und Durchfall helfen. Fragen Sie hierzu am besten Ihre:n Ärzt:in, welches Mittel bei Ihren Symptomen sinnvoll ist.

Wenn sich mal wieder Magen-Darm-Beschwerden ankündigen und Sie sich fragen, was Sie bei Reizdarm tun können, zögern Sie nicht, einige der genannten Tipps und Maßnahmen für sich auszuprobieren – so werden Sie mit der Zeit feststellen, was Ihrer Verdauung guttut.

Quelle
  • Layer, P., Andresen, V., Allescher, H., Bischoff, S. C., Claßen, M., Elsenbruch, S., ... & Voderholzer, W. (2021). Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs-und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Z Gastroenterol [eingereicht].