Nickelallergie: Symptome, Behandlung und die besten Alltagstipps

Die Nickelallergie zählt weltweit zu den häufigsten Kontaktallergien. Kommen Betroffene mit nickelhaltigem Schmuck wie Ohrringen oder Uhren in Berührung, kann es zu Hautekzemen kommen. Wie sich die Allergie in den Griff bekommen lässt.

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Ein neuer Ohrring schmückt das Gesicht – doch nach einiger Zeit ist die Haut am Ohrläppchen gerötet, juckt und brennt. Schuld daran kann das in Schmuck häufig verarbeitete Nickel sein. Denn das silberweiße Metall kann bei Allergiker:innen unangenehme Hautbeschwerden auslösen. Welche Symptome bei einer Nickelallergie im Einzelnen auftreten und welche Behandlung gegen die Beschwerden hilft.

Was ist eine Nickelallergie?

Nickel ist ein Metall, das nicht nur in Alltagsgegenständen wie Schmuck, Brillengestellen oder Smartphone enthalten ist, sondern auch in vielen Lebensmitteln. Somit kann Nickel sowohl über die Haut als auch oral aufgenommen werden. Etwa zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung können nickelhaltige Produkte und Lebensmittel nicht ungehindert verwenden oder essen – sie leiden unter einer Nickelallergie.

Die Nickelallergie zählt zu den sogenannten Kontaktallergien, bei denen nach Allergenkontakt die Symptome zeitverzögert einsetzen, circa zwölf bis 72 Stunden nach Kontakt mit Nickel. Diese allergischen Beschwerden werden daher auch als Spättyp-Reaktionen bezeichnet.

Bei einer Spättyp-Allergie spielen die T-Helferzellen eine wesentliche Rolle Die T-Zellen befinden sich in der unteren Hautschicht und in den Lymphknoten. Wenn die Zellen körperfremde Stoffe identifizieren, „informieren“ sie das Immunsystem, damit die Eindringlinge bekämpft werden. Anschließend geht die Gefahreninformation in neu gebildete T-Gedächtniszellen über. Sie sorgen dafür, dass derselbe Eindringling künftig effektiver bekämpft wird.

Stufen die T-Zellen sogenannte Nickelionen, die sich aus nickelhaltigen Produkten herauslösen und in die Haut übergehen, als Gefahr für den Körper ein, kann sich infolgedessen eine Nickelallergie entwickeln.

Nickelallergie wegen Schmuck: Rückgang der Zahlen durch EU-Obergrenzen

Die Anzahl derer, die eine Nickel-Allergie entwickeln, ist seit Jahren rückläufig, da die Europäische Union Obergrenzen für Nickel festgelegt hat – zuletzt in der noch geltenden REACH-Verordnung von 2006. Demnach dürfen beispielsweise Erststecker für Ohrringe und Piercings nur noch 2 Mikrogramm Nickelionen pro Quadratzentimeter wöchentlich freisetzen. Für anderen Schmuck, der länger mit der Haut in Kontakt kommt, liegt der Grenzwert bei 5 Mikrogramm pro Quadratzentimeter und Woche. Studien konnten bereits belegen, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen: 1995 hatten noch 35 Prozent der Frauen unter 30 Jahren eine Nickelallergie, 2010 waren es nur noch 15 Prozent.

Risikofaktoren einer Nickelallergie

Diese Faktoren können die Entstehung einer Nickelallergie begünstigen:

  • Piercings und häufiger Schmuckgebrauch im Jugendalter

  • erbliche Veranlagung

  • bestehende Allergien

  • trockene Haut – infolgedessen können Nickelione leichter eindringen

  • Berufe wie Kassierer:in, Reinigungskraft oder Friseur:in, die Nickel häufig ausgesetzt sind

Nickelallergie: Symptome auf der Haut – im Gesicht, an den Fingern und am Bauchnabel

Kommt die Haut mit nickelhaltigem Schmuck in Kontakt, kann sich nach einiger Zeit ein sogenanntes Kontaktekzem entwickeln. Die Hautentzündung zeigt sich besonders im Gesicht, am Bauchnabel und an den Fingern, weil das die Bereiche sind, die durch Ohrringe, Ringe und Piercings am ehesten mit Nickel in Berührung kommen.  

Ein Kontaktekzem infolge einer Nickelallergie geht mit folgenden Begleitsymptomen einher:

  • Rötung

  • Nässen

  • Juckreiz

  • Bläschenbildung

Diese Symptome können im Zuge einer Nickelallergie auch um die Augen herum auftreten.

Nickelallergie-Bilder: So kann ein Kontaktekzem aussehen

Wenn Betroffene tagtäglich mit Nickel in Kontakt kommen, zum Beispiel aufgrund ihres Berufs, kann die Haut auch schuppig werden und sich verdicken. Mediziner:innen sprechen in diesem Fall von einem chronischen allergischen Kontaktekzem. Die Beschwerden können sich verschlimmern, wenn bei einem bereits bestehenden Ekzem viel Nickel über die Nahrung aufgenommen wird.

Dieses Aussehen kann ein Kontaktekzem annehmen, hier am Ellenbogen und Unterarm:

Person mit Kontaktekzem durch Nickel am Ellenbogen
Bei einem chronischen Kontaktekzem kann die Haut schuppen und sich verdicken Foto: iStock/helivideo

Nickelallergie durch Ohrringe oder Uhren: In diesen Gegenständen ist Nickel enthalten

Das Metall ist in unzähligen Gegenständen des täglichen Gebrauchs enthalten, wie zum Beispiel in:

  • Schmuck, Armbanduhren

  • Piercings, Tattoofarben und -nadeln

  • Jeansknöpfe und Reißverschlüsse

  • Brillengestelle

  • Euro-Münzen

  • Tabakrauch infolge von angezündeten Zigaretten

  • Handarbeitsutensilien wie Nadeln, Häkel- und Stricknadeln

  • Haushaltsutensilien wie Töpfe und Bügeleisen

  • Handys

  • Feuerzeuge

  • Kosmetikprodukte wie Lidschatten oder Mascara

  • Metallspielzeug

  • Papier

Auch Zahnspangen stehen im Verdacht, aufgrund ihres Nickelgehalts eine Allergie auslösen zu können. Doch Studien zeigen, dass das Gegenteil vermutlich der Fall ist. Zum Beispiel eine Untersuchung aus 2016: "Schon die geringen Nickelmengen, die von den Spangen konstant in den Mundraum abgegeben werden, scheinen das Immunsystem zu desensibilisieren“, erläutert Dr. Lina Gölz, Oberärztin und Habilitandin der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Bonn. Weitere klinische Studien sollen diese Erkenntnis genauer untersuchen.

Nickelallergie-Symptome im Darm durch nickelhaltige Lebensmittel

Bei einer oralen Nickelallergie zeigen sich die Symptome in der Magengegend und im Darm, etwa nach dem Verzehr von nickelhaltigen Lebensmitteln. Die Magen- und Darmbeschwerden treten im Zuge einer solchen Allergie allerdings nur bei Personen auf, die besonders sensibel reagieren. Neben den inneren Symptomen können nickelhaltige Nahrungsmittel dazu führen, bestehende Hautreaktionen zu verstärken oder ein längst abgeheiltes Ekzem wieder aufflammen zu lassen.

Bei einer oralen Nickelallergie können diese Symptome in Darm und Bauch auftreten:

  • Schmerzen im Bauch

  • Sodbrennen

  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen

  • Verstopfung oder Durchfall

  • Blähungen

Das Einatmen von Tabakrauch kann ebenfalls zu einer allergischen Reaktion führen, weil im Rauch sehr viel Nickel enthalten ist.

Nickelallergie: Lebensmittel, die eine allergische Reaktion auslösen können

Nickel ist ein Spurenelement, das für Pflanzen und Mikroorganismen unverzichtbar ist, daher enthalten pflanzliche Lebensmittel in der Regel mehr Nickel als tierische Produkte. Diese Nahrungsmittel weisen einen verhältnismäßig hohen Nickelgehalt auf:

  • Getreide, z.B. Buchweizen, Amaranth und Haferflocken

  • Gemüse, z.B. Bohnen, getrocknete Kichererbsen

  • Hülsenfrüchte, z.B. Leinsamen, Linsen, Sojabohnen

  • Nüsse, z.B. Pekannuss, Cashewnuss, Erdnuss

  • Kakaopulver

Nickelallergie-Test: Diese Diagnoseverfahren gibt es

Wenn Sie vermuten, eine Nickelallergie zu haben, können Sie sich an Ihre:n Hausärzt:in wenden, der bzw. die Sie an eine:n Dermatolog:in mit einer Zusatzqualifikation in Allergologie überweisen kann. In einem Anamnese-Gespräch wird zunächst abgefragt, welche Symptome an welchen Hautstellen auftreten, ob es familiäre Häufungen von bekannten Nickelallergien gibt und wie die täglichen Gewohnheiten sind. Zudem wird nach einer Neurodermitis gefragt, da Nickelallergie-Symptome dieser ähnlich sein können.

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung, bei der die entzündliche Haustelle genauer in Augenschein genommen wird.

Um eine sichere Diagnose zu erhalten, führt der Arzt bzw. die Ärztin einen sogenannten Epikutantest, auch Pflastertest genannt, durch. Dabei wird ein Testpflaster mit Nickelsulfat auf den Rücken angebracht. Auch andere kontaktallergieauslösende Stoffe (wie Duft- oder Konservierungsstoffe) werden dabei gleich mitgetestet. Das Pflaster bleibt in der Regel für 48 Stunden auf der Haut; danach wird das Ergebnis ausgewertet.

Üblicherweise erfolgt einen oder mehrere Tage später nochmals eine Auswertung, da bei einer Nickelallergie die Symptome auch erst nach 72 Stunden auftreten können. Sind auf der Haut Rötungen oder Bläschenbildung zu erkennen, gilt eine Nickelallergie als gesichert.

Bei Verdacht auf eine orale Nickelallergie kann ein Provokationstest durchgeführt werden, der jedoch nur selten angewandt wird. Dabei muss sich der Betroffene sechs Wochen lang nickelarm ernähren und wird dabei ärztlich begleitet. Lebensmittel und Symptome werden in einem Protokoll festgehalten. Sollten die Beschwerden innerhalb der sechswöchigen Diät nicht mehr auftreten oder sich verringert haben, erfolgt der Provokationstest mit Nickelsulfat. Fällt dieser positiv aus, liegt sehr wahrscheinlich eine orale Nickelallergie vor.

Wichtig ist es, dass der Arzt bzw. die Ärztin die diagnostizierte Nickelallergie in einen Allergiepass einträgt und diesen dem Patienten aushändigt.

Nickelallergie: Hausmittel und medizinische Behandlung bei Kontaktekzem

Gegen ein akutes allergisches Kontaktekzem können entzündungshemmende Cremes helfen, in denen Kortison enthalten ist. Nässt die Hautstelle, können sogenannte hydrophile Salben eingesetzt werden. Bei sehr trockener Haut können rückfettende Mittel Abhilfe schaffen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Behandlungsmethode bei Ihren Beschwerden am erfolgversprechendsten ist.

Nach ärztlicher Rücksprache können Sie die Ekzem-Symptome auch mit verschiedenen Hausmitteln lindern, indem Sie zum Beispiel Honig, Olivenöl oder Aloe-vera-Gel auf die Hautstelle auftragen oder ein Kamille-Vollbad nehmen. All diese pflanzlichen Mittel können helfen, die Entzündungsreaktion zu verringern, die Stelle zu desinfizieren und die Haut zu beruhigen.

Nickelallergie-Test für zu Hause: Wie viel Nickel enthalten Gegenstände?

Wer weiß, dass er oder sie allergisch auf Nickel reagiert, kann Alltagsprodukte auf ihren Nickelgehalt testen. Dafür gibt es Schnelltests, die zum Beispiel online in Versandapotheken erhältlich sind. Bei Rotfärbung sollen sie anzeigen, dass in dem jeweiligen Produkt sehr viel Nickel enthalten ist – wie viel genau, zeigen die Tests allerdings nicht.

Der weitere Nachteil: Die Tests kosten oftmals über 20 Euro und sind damit nicht günstig. Ab und zu kann diese schnelle Methode hilfreich sein, zum Beispiel um alten Schmuck oder Gegenstände aus Nicht-EU-Ländern auf eine mögliche „Nickelgefahr“ zu testen.

Chrom-Nickelallergie durch Leitungswasser?

Darüber hinaus gibt es Tests, die Nickel in Trinkwasser nachweisen können. Denn einige mit Nickel überzogene Küchenarmaturen stehen immer wieder im Verdacht, das Metall an das Leitungswasser abzugeben, wie Stiftung Warentest 2021 herausfand. Das Umweltbundesamt weist ebenfalls auf einen erhöhten Nickelgehalt in Wasser hin: „Hohe Nickelkonzentrationen treten vor allem in den ersten 0,2 Litern nach langen Standzeiten des Wassers in diesen Armaturen auf.“

Dagegen kann in Küchenarmaturen verarbeitetes Chrom in der Regel keine allergische Reaktion auslösen. Eine Chrom-Allergie ist in der Regel auf Chromsalzen oder Chromate beschränkt, die in der verarbeiteten Industrie oftmals Verwendung finden, zum Beispiel in der Lederherstellung oder im Baugewerbe.

Nickelallergie-Behandlung: Diese Alltagstipps helfen zur Vorbeugung

Eine Nickelallergie ist zwar nicht heilbar, aber gut in den Griff zu bekommen. Die wichtigste Maßnahme ist, Nickel so gut es geht im Alltag zu vermeiden. Schützen Sie sich vor Nickel, indem Sie zum Beispiel

  • Handschuhe und ggf. Schutzkleidung tragen, wenn sich der Kontakt mit nickelhaltigen Putzmitteln nicht vermeiden lässt

  • zum Kochen nickelfreie Töpfe verwenden, zum Beispiel aus Emaille,

  • vermeiden, Modeschmuck aus dem EU-Ausland zu tragen, da diese oftmals die erlaubten EU-Grenzwerte überschreiten,

  • nur nickelfreien Schmuck nutzen, zum Beispiel aus Titan,

  • auf Piercings verzichten,

  • sich keine Tattoos stechen lassen, weil Nickel in Tattoofarben und -nadeln enthalten sein kann,

  • ihren Kindern kein Metallspielzeug zum Spielen geben, da diese besonders im Verdacht stehen, zu viel Nickel freizusetzen,

  • bei Münzgeld darauf achten, dass ihre Hände trocken sind – denn Schweiß kann Nickelionen aus Münzen lösen,

  • Rauchen und Passiv-Rauchen meiden,

  • Brillen aus Kunststoff tragen

  • und einen Schutzlack auf Gürtelschnallen aufbringen.

Zudem hilft es, wenn Sie ihre Haut mit fettreichen Salben pflegen, um Trockenheit und Risse vorzubeugen – denn ist die Haut geschädigt, können Nickelionen leichter eindringen.

Wichtig zu wissen: Es ist nicht sinnvoll, selbstständig seine Ernährung umzustellen und sich nickelarm zu ernähren. Nur der Arzt bzw. die Ärztin sollte entscheiden, ob dieser Schritt bei einer Nickelallergie wirklich notwendig ist.

Quellen:

Nickelallergie, in: ecarf.org (European Centre for Allergy Research Foundation)

Nickel, in: daab (Deutscher Allergie- und Asthmabund)

Vorsicht Allergie: Wie das Immunsystem Nickel erkennt, in: bfr.bunde.de (Bundesinsitut für Risikobewertung)

Küchenarmaturen: Einige belasten Trinkwasser mit Metallen, in: test.de

Nickelabgabe von verchromten Trinkwasserarmaturen und anderen Bauteilen, in: umweltbundesamt.de

Garg, S., Thyssen, J. P., Uter, W., Schnuch, A., Johansen, J. D., Menné, T., ... & Gawkrodger, D. J. (2013). Nickel allergy following E uropean U nion regulation in D enmark, G ermany, I taly and the UK. British Journal of Dermatology, 169(4), 854-858.