Mittel gegen Alzheimer entdeckt: So kann die Krankheit verlangsamt werden

Über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Alzheimer. Bisher gilt die Krankheit als unheilbar. Forschende haben nun ein Medikament entwickelt, das den geistigen Abbau verlangsamen soll. Ist das der medizinische Durchbruch?

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Gibt es endlich ein wirksames Medikament gegen Alzheimer? Hoffnung kommt nun aus dem japanischen Raum. Das Unternehmen „Biogen“ hat gemeinsam mit dem japanischen Pharmaunternehmen „Eisai“ erstmals ein Medikament entwickelt, das den geistigen Abbau bei Alzheimer in einem frühen Stadium entscheidend verlangsamen kann.

Alzheimer-Medikament verhindert geistigen Abbau

Laut Studienergebnissen bremst das Arzneimittel den Abbau der geistigen Fähigkeiten um rund 27 Prozent, wie die Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung erklären. Es wäre das erste Mal, dass ein Arzneimittel nennenswert in die Mechanismen der Alzheimer-Erkrankung eingreift. Einsehbar sind die Daten bisher noch nicht. Das Medikament befindet sich derzeit in der Phase-3-Studie und wartet noch auf eine Zulassung.

„Wenn sich das bestätigt, wäre das eine gute Nachricht“, erklärt Linda Thienpont, Leiterin der Abteilung Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA).

Aber wie wirkt das Mittel überhaupt?

Alzheimer-Hoffnung Lecanemab: Wie wirkt das Medikament?

Grund für die Verlangsamung des geistigen Abbaus sind die im Medikament enthaltene Antikörper – eine humanisierte Version des Maus-Antikörpers mAb158.

Das Medikament wird intravenös verabreicht und zeige bei früher Einnahme bereits nach sechs Monaten gute Erfolge, so heißt es.

Lecanemab richtet sich dabei gegen das sogenannte Amyloid-beta-Eiweiß-Molekül, welches sich im Gehirn der Alzheimer-Patient:innen in Form von sogenannten Plaques ablagert. Das neu entwickelte Alzheimer-Medikament soll eine deutliche Reduzierung der Ablagerungen im Gehirn bedingen.

Frank Jessen, Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt sich äußerst positiv angesichts der Studien-Ergebnisse. „Das ist eine ordentliche Studie, in der die klinische Wirksamkeit sorgfältig geprüft wurde“, erklärte er gegenüber der DPA. So einen Effekt habe man in klinischen Studien mit anderen Antikörpern noch nie gesehen.

Ist Alzheimer bald heilbar?

Zwar sei das Medikament ein echter Durchbruch und ein erster Schritt in die richtige Richtung, dennoch sei man von einer Heilung von Alzheimer noch weit entfernt. „Die Krankheit wird auch weiter voranschreiten, nur langsamer, was aber für die Patienten und Angehörigen von großer Bedeutung sein kann“, sagt Frank Jessen, der an der Studie beteiligt war. Wie lange der positive Effekt des Medikaments anhält, müsse weiter beobachtet werden.

Lecanemab bereits zugelassen?

Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelagentur stehe noch aus. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA prüfe das Medikament derzeit in einem beschleunigten Zulassungsverfahren.

In Deutschland sind über 1,2 Millionen Menschen von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jedes Jahr erkranken rund 300.000 Menschen an einer Demenz. Ein wirksames Mittel, welches gegen Alzheimer und den damit einhergehenden, schnellen geistigen Abbau hilft, könnte nun bald auf den Markt kommen.