Medikamenten-Engpässe: Jetzt werden auch diese Präparate knapp

Über 300 Arzneimittel sind derzeit nur schwer beziehungsweise gar nicht verfügbar. Darunter Medikamente wie Insulin-Präparate und Antibiotika, die über schwere Krankheitsverläufe entscheiden. Diese Mittel werden nun knapp.

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Die Arzneimittelversorgung in Deutschland wird knapp. Das zeigt sich anhand der rund 300 Medikamente, die derzeit nicht oder nur schwer in Apotheken verfügbar sind. Eine Liste derer aktualisiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, wie Daniela Hänel, Apothekerin und Vorsitzende der Freien Apothekerschaft gegenüber "Focus Online" erklärte.

„Arzneimittel, die es auf die BfArM-Liste ‚schaffen‘, die also nicht verfügbar sind, sind nur die Spitze des Eisbergs , oder Wirkstoffe, bei denen die Apotheke trotz Bemühungen keine Ware oder Alternativen bieten kann", sagt Daniela Hänel.

Erst unlängst kam es zu einem akuten Mangel an Fiebersaft mit dem Wirkstoff Paracetamol. Das BfArM schreibt dazu auf der Homepage: In 2022 ist der Bedarf an den betroffenen Arzneimitteln überproportional angestiegen. Die Ursachen hierfür konnten bislang nicht befriedigend ermittelt werden.

Engpässe in Apotheken: Diese Medikamente werden knapp

Die Gründe für die Medikamenten-Engpässe in Apotheken sind vielfältig. Nicht nur Fiebersaft ist davon betroffen. So sind auch folgende Arzneimittel in Apotheken gerade schwer zu bekommen:

  • Antibiotika

  • Asthmasprays

  • bestimmte Augentropfen

  • einige Insuline

  • Arzneimittel zur Senkung des Blutzuckerspiegels

  • Ibuprofen- und Paracetamol-Säfte und -Zäpfchen für Kinder

  • Blutdruckmittel

  • Neuroleptika und

  • viele Krebstherapiemittel.

Wo kann ich mich über Medikamenten-Engpässe informieren?

Regelmäßig aktualisierte Übersichten zu Medikamenten-Engpässen bieten sowohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als auch der Pharma Index "Gelbe Liste".

Keine Versorgungsengpässe bei lebenswichtigen Medikamenten

Eine Unterversorgung in einigen Bereichen ist zwar problematisch, große Versorgungsengpässe bei lebenswichtigen Arzneimitteln gibt es jedoch derzeit nicht. Herzmedikamente, Schilddrüsenpräparate und Diabetes-Arzneimittel seien derzeit noch ausreichend verfügbar, bestätigt auch Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, gegenüber "Focus Online".

Wieso kommt es aktuell zu Medikamenten-Engpässen?

Wie auch in der Corona-Pandemie oder während der aktuellen Ukraine-Krise entstehen Lieferengpässe bei Medikamenten vor allem durch Probleme in den Lieferketten. Dafür gibt es zahlreiche Auslöser wie etwa Corona, Kriege, Naturkatastrophen oder Unfälle. Fällt ein Zulieferer aus, kann das betreffende Produkt nicht gefertigt bzw. geliefert werden. Die Lieferketten bei Medikamenten sind oft extrem lang. Nur ein Drittel der in Deutschland benötigten Wirkstoffe werden in Europa produziert, zwei Drittel kommen aus Asien.

Medikament nicht verfügbar: Was kann ich tun?

Was aber tun, wenn ein benötigtes Medikament derzeit nicht verfügbar ist? Für die meisten Produkte gibt es andere Arzneimittel, die den gleichen Wirkstoff haben und alternativ eingesetzt werden können. Wer Sorge hat, dass ein benötigtes Arzneimittel nicht mehr vorrätig ist, sollte sich frühzeitig um ein Folgerezept kümmern.

So erhalten Sie in den allermeisten Fällen Ihr benötigtes Arzneimittel trotz Medikamenten-Engpass, auch wenn einige Vorräte knapp werden.