Hämorrhoiden nach der Geburt: Ursachen und Behandlung

Hämorrhoiden nach der Geburt, im Wochenbett und in der Stillzeit sind ein häufiges Phänomen. Was sollten Betroffene beachten, welche Hausmittel helfen schnell und wann ist es ratsam, sich die Hämorrhoiden entfernen zu lassen?

Eine Frau sitzt auf Toilette
Im Wochenbett werden viele Frauen von Hämorrhoiden geplagt. Die Beschwerden treten häufig während des Stuhlgangs auf Foto: iStock/YakobchukOlena

Durchwachte Nächte, Stillprobleme, Schmerzen nach der Geburt und die Gewöhnung an das neue Leben als Mutter: Eigentlich gibt es für Frauen im Wochenbett schon mehr als genug potenzielle Probleme und Herausforderungen, die die Anfangszeit mit Baby erschweren können – Hämorrhoiden oder, korrekt ausgedrückt, Hämorrhoidalleiden sind in dieser Situation vielleicht noch nerviger und überflüssiger als sowieso schon. Dennoch plagen sie viele Frauen in der Zeit nach der Schwangerschaft. Zum Glück gibt es zahlreiche Hausmittel und Tipps, die bei Hämorrhoiden nach der Geburt helfen, die Beschwerden zu lindern.

Hämorrhoiden nach der Schwangerschaft können jucken, brennen und bluten

Eigentlich bezeichnet der Begriff Hämorrhoiden das Gefäßpolster, das rund um den Darmausgang zusammen mit dem Schließmuskel für die „Abdichtung“ des Darms verantwortlich ist.

Umgangssprachlich bezieht sich der Ausdruck auf die Vergrößerung oder Entzündung dieses Gewebes. Solche „Hämorrhoidalleiden“, wie der medizinische Fachausdruck dafür lautet, äußern sich häufig durch Jucken, Schmerzen oder Blutungen am After – diese Symptome können beim Hämorrhoidalleiden unabhängig vom Auslöser auftreten (also zum Beispiel einer Geburt). Bei manchen Betroffenen machen sie aber auch gar keine Beschwerden.

Hämorrhoiden: Geburt als Auslöser für Beschwerden im Wochenbett?

Nach der Geburt Hämorrhoiden zu haben ist nicht ungewöhnlich. Durch das kräftezehrende Prozedere und das Pressen während der Entbindung kann es passieren, dass die Gefäßpolster stark gereizt werden und sich krankhaft vergrößern.

In einer Studie australischer Wissenschaftler:innen waren acht Wochen nach der Geburt 30 Prozent der teilnehmenden Frauen von einem Hämorrhoidailleiden betroffen. Zwei Jahre nach der Entbindung litten immerhin noch 13 Prozent an hämorrhoidalen Beschwerden.

Auch Verstopfung in den ersten Wochen nach der Geburt kann ein Auslöser von Hämorrhoiden im Wochenbett sein. Die Ursache liegt hier ebenfalls in hormonellen Umstellungen – dazu kommt, dass sich der Darm in dem jetzt leereren Bauchraum erst wieder in seine ursprüngliche Position „zurückbegeben“ muss, was sich ebenfalls auf die Verdauung auswirken kann.

Zusätzlich fördert mangelnde Bewegung im Wochenbett Darmträgheit und Verstopfung.

Hämorrhoiden nach Entbindung: Ursachen können auch mit Schwangerschaft zusammenhängen

Doch es gibt noch weitere Gründe, warum Wöchnerinnen an Hämorrhoiden leiden können – und zwar hängen die Ursachen häufig mit der Schwangerschaft zusammen oder mit der Zeit davor:

  • Die Hormonumstellungen in der Schwangerschaft haben oft eine verstärkte Darmträgheit zur Folge – so kommt es zu Verstopfung und schließlich zu entzündeten Hämorrhoiden.

  • Die Hormonumstellung kann bewirken, dass Gefäße und Gewebe weicher und flexibler werden. Das ist zwar gut für das Baby, doch es begünstigt die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens.

  • Der wachsende Bauch drückt auf den Beckenboden; in dem empfindlichen Gewebe rund um den After entstehen so mitunter Blutstaus und in der Folge Schwellungen und Entzündungen.

  • Ein höheres Geburtsgewicht des Babys kann laut Studien ein Risikofaktor für krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden sein.

Viele Frauen haben zudem bereits vor der Schwangerschaft mit (leicht) vergrößerten Hämorrhoiden zu kämpfen – die Beschwerden können dann während der Schwangerschaft zunehmen. Als wesentliche Ursache kommt eine chronische Verstopfung infrage.

Hämorrhoiden nach Geburt: Grad 4 oder niedriger – das bedeuten die Schweregrade

Die Intensität der Symptome ist abhängig vom Schweregrad – das Hämorrhoidalleiden wird medizinisch in vier Grade unterteilt:

  • Bei Grad 1 treten keine oder kaum Beschwerden auf.

  • Bei Grad 2 können Hämorrhoiden während oder nach dem Stuhlgang jucken und brennen, kleine Blutbeimengungen im Stuhl sind möglich.

  • Bei Grad 3 treten die Gefäßpolster häufig nach außen und verursachen Schmerzen, Blutungen, Brennen und Nässen – für Betroffene kann das im Alltag mitunter sehr belastend sein.

  • Grad 4 ist die höchste Stufe, bei der die Hämorrhoiden dauerhaft nach außen treten und starke Beschwerden hervorrufen.

Hämorrhoiden nach der Geburt zurückschieben: Geht das?

Wenn die Gefäßpolster während des Geburtsvorgangs nach außen getreten sind, stellen sich betroffene Frauen häufig die Frage, ob sich die äußeren Hämorrhoiden nach der Geburt wieder reindrücken lassen. Tatsächlich ist das mit den Fingern möglich bis zum Schweregrad 3. Ab Grad 4 ist das Zurückschieben in den Analkanal nicht mehr manuell möglich.

Hämorrhoiden nach einem Kaiserschnitt: Ebenfalls eine „normale Erscheinung“

Durch die genannten Ursachen können Hämorrhoiden auch nach einem Kaiserschnitt auftreten – oder durch die körperlichen Veränderungen nach der Schwangerschaft verstärkt werden. Das Pressen bei einer natürlichen Geburt ist also keine Voraussetzung für Hämorrhoidalleiden im Wochenbett.

Hämorrhoiden in der Stillzeit: Gehen die Beschwerden von allein weg?

Die hämorrhoidalen Beschwerden können, müssen aber nicht nach der Geburt bzw. in der Stillzeit von allein zurückgehen. Bei den meisten Frauen bestehen die Symptome noch einige Zeit nach der Entbindung. Viele berichten davon, dass die Hämorrhoiden-Rückbildung bei ihnen etwa drei Monate gedauert hat. Eine weitere Behandlung war dann nicht nötig.

Doch das ist nicht immer so. Von daher ist es in jedem Fall ratsam, die nachfolgenden Tipps und Hausmittel zu beherzigen, um den Krankheitsverlauf in der Stillzeit positiv zu beeinflussen.

Hämorrhoiden nach der Geburt: Was tun? Diese Hausmittel und Tipps helfen

Zäpfchen und Salben aus der Apotheke auf der Basis von pflanzlichen Wirkstoffen wie etwa der Zaubernuss (Hamamelis virginiana) helfen, die Beschwerden wie Brennen und Schmerzen zu lindern. Auch Salben mit Zink oder Panthenol wirken lindernd.

Zusätzlich können Beschwerden durch Hämorrhoiden nach der Geburt mit Hausmitteln gelindert werden. In abgekühlten Kamillen- oder Salbeitee getunkte Kompressen und Sitzbäder mit Zusätzen aus Eichenrindenextrakt oder Kamille wirken wohltuend.

Außerdem sind folgende Regeln sinnvoll, um das entzündete Gewebe zu entlasten und die Beschwerden zu lindern:

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Betroffene sollten täglich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte in ihren Speiseplan aufnehmen, damit der Stuhl weicher wird.

  • Viel trinken: Auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wirkt der Verstopfung entgegen – darum sollten Wöchnerinnen mindestens zwei Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen. Wasser und Kräutertees eignen sich gut; nur Salbei- und Pfefferminztee hemmen die Milchproduktion und sind für stillende Mütter darum unter Umständen weniger gut geeignet.

  • „Richtiges“ Sitzen auf der Toilette: Starkes Pressen beim Stuhlgang verschlimmert die Beschwerden bei Hämorrhoidalleiden. Um das Pressen zu vermeiden, hilft es, auf der Toilette eine möglichst optimale Position einzunehmen: Dazu die Füße leicht erhöht, zum Beispiel auf einem Toilettenschemel, abstellen – durch die so erreichte Sitzposition ist der Darm weniger geknickt und der Stuhl kann leichter Richtung Darmausgang wandern.

  • „Richtige“ Analhygiene: Verwenden Sie nur weiches Toilettenpapier. Am besten beim Abwischen etwas anfeuchten. Zudem wird dazu geraten, nach dem Stuhlgang den After mit lauwarmem Wasser zu säubern und anschließend vorsichtig abzutrocknen.

  • Ausreichende Bewegung: Ob Schwimmen, Yoga oder einfach ein Spaziergang – jede Art von Bewegung fördert auch die Darmtätigkeit und wirkt so Verstopfung und damit Hämorrhoiden entgegen.

Hämorrhoiden nach der Geburt gehen nicht weg: Was ist zu tun?

Wenn sich die unliebsamen Begleiter nicht vollständig zurückbilden, sollten betroffene Frauen unbedingt mit ihrer Frauenärztin bzw. Frauenarzt oder mit eine:r Ärztin der Proktologie Rücksprache halten. Hämorrhoidenbeschwerden in Form von ständigem Juckreiz, häufigen Blutungen oder gar Schmerzen muss niemand hinnehmen.

Hämorrhoiden nach der Geburt behandeln und entfernen lassen

Der Arzt bzw. die Ärztin kann dann neben den üblichen Hausmitteln zum Beispiel auch zu Salben mit Kortison oder Bufexamac raten, die entzündungshemmend, schmerz- und juckreizstillend wirken. Als weitere Therapiemöglichkeiten gibt es auch Zäpfchen, Analdehner oder Mittel, die lokal betäuben.

Wenn nichts hilft und die vergrößerten Gefäßpolster in der Stillzeit immer noch große Beschwerden hervorrufen, etwa bluten oder stark schmerzen, kann zusammen mit dem Arzt bzw. der Ärztin über einen möglichen Eingriff nachgedacht werden. Neben den üblichen Salben und Hausmitteln besteht die Möglichkeit, die Hämorrhoiden „schrumpfen“ zu lassen, zum Beispiel mittels der Verödungstherapie. Ist das Leiden bereits weiter fortgeschritten, gibt es unterschiedliche operative Verfahren, durch die Hämorrhoiden nach der Geburt entfernt werden können.

Quelle:

Joos, A. K., & Jongen, J. (2021). S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. coloproctology, 1-21.