Feinstaub bei Osterfeuer: So gesundheitsschädlich ist der Brauch

Steht das Osterfeuer vor dem Aus? Vor allem aufgrund der Auswirkungen von Feinstaub-Emissionen auf das Klima steht der Brauch in der Kritik. Doch auch aus gesundheitlicher Sicht ist das Osterfeuer bedenklich. So schädlich ist der Feuerbrauch für die Gesundheit wirklich.

Osterfeuer mit Feinstaub in der Luft
Osterfeuer belasten nicht nur die Umwelt, sondern schaden durch die Feinstaubentwicklung auch der Gesundheit Foto: IMAGO/Marius Schwarz

In ein paar Tagen ist es wieder so weit: In der Nacht von Ostersamstag zu Ostersonntag werden vielerorts in Deutschland Osterfeuer entfacht – ein Brauch, der schon über 1.000 Jahre alt ist. Doch in der heutigen Zeit ist bekannt, dass neben Autoabgase vor allem Feuerstellen die Feinstaub-Werte in der Luft in die Höhe schnellen lassen.

Ein Problem für die Umwelt und Tiere, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt. Aber auch für die Gesundheit: Vor wenigen Tagen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Jahresbericht auf die verheerenden Konsequenzen von Feinstaub aufmerksam gemacht.

Osterfeuer: Wie hoch ist die Feinstaubbelastung?

Der Osterbrauch findet nur einmal im Jahr statt – daher liegt der Schluss nahe, dass solch seltenen Ereignisse nur geringen Einfluss auf die Luftverschmutzung nehmen. Doch das stimmt nicht. Amtliche Messungen zeigen, dass besonders zu Ostern in vielen Regionen Deutschlands der EU-Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm/Kubikmeter (μg/m3) massiv überschritten wird – immer auch abhängig von Wind und Wetter. Nach einer EU-Richtlinie darf das nur an maximal 35 Tagen pro Kalenderjahr passieren.

Beispiel Hamburg: In der Hansestadt kam es an einem Osterwochenende schon einmal vor, dass die Feinstaubbelastung bei 238 Mikrogramm lag – also um ein Fünffaches höher als der Grenzwert. Zum Vergleich: In 2021 kam Hamburg im Mittel auf nur 9,9 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Diese Grafik zeigt beispielhaft mit Daten des Umwetlbundesamts, wie die Feinstaubbelastung in Deutschland zu Ostern 2002 war:

Grafik über die Feinstaubbelastung an Ostern 2002
Feinstaubbelastung durch Osterfeuer am Beispiel des Jahres 2002 Foto: PraxisVITA/Vivian Mule

Erhebliche Gesundheitsgefahr durch Osterfeuer-Feinstaub

Bei Feinstaub gilt: Je kleiner die Partikel sind, desto mehr schaden sie der Gesundheit. Denn die winzigen Partikel (kleiner als 2,5 mm) können in die Atemwege und so in die Bronchien, Bronchiolen und Lungenbläschen gelangen. Ultrafeine Partikel (kleiner als 100 Nanometer) können sogar tiefe Zellebenen der Lunge erreichen – und von dort ins Blut und Lymphsystem übergehen.

„Je kleiner die Partikel sind, desto unwahrscheinlicher ist es auch, dass diese wieder abgeatmet werden oder dass die Reinigungszellen der Lunge sie erkennen und bekämpfen“, erklärt das Umweltbundesamt.

Wer ein paar Stunden am Osterfeuer verbringt und somit Feinstaub einatmet, kann bereits diese Beschwerden bekommen:

  • Bluthochdruck

  • Herzrhythmusstörungen

  • weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Viele Betroffene müssen laut Umweltbundesamt beim vorrübergehenden Einatmen von Feinstaub in die Notaufnahme. Besonders gesundheitsbelastend ist Feinstaub für Kinder, ältere Menschen und Personen mit Atemwegserkrankungen wie COPD.

Was ist Feinstaub?

Feinstaub ist mit bis zu einem Mikrometer winzig und mit dem bloßem Auge nur bei bestimmten Lichtverhältnissen sichtbar als „Dunstglocke“. Feinstaub ist Bestandteil von sogenanntem Schwebestaub und verweilt eine gewisse Zeit in der Luft, er sie irgendwann auf den Boden sinkt.

Feinstaub einatmen: Diese langfristigen Gesundheitsfolgen können auftreten

Wer monate- oder jahrelang einer erhöhten Feinstaubbelastung ausgesetzt ist (vor allem Partikel kleiner als 2,5 mm), kann nach Angaben des Umweltbundesamts diese gesundheitlichen Probleme entwickeln:

  • Erkrankungen der Atemwege wie Asthma, Bronchitis, Lungenkrebs

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Arteriosklerose, Bluthochdruck

  • Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes Typ II

  • Erkrankungen des Nervensystems wie Demenz

Holz bei Osterfeuer verbrennen: Mit diesen Tipps wird es gesünder

Statt das Osterfeuer als Abfallbeseitigung zu nutzen, könne man auf Rat des Bremer BUND-Landesverbands den Brauch auch umweltfreundlicher gestalten.

Tipps vom BUND für ein gesünderes und umweltfreundlicheres Osterfeuer:

  • Osterfeuer mindestens 50 Meter von Hecken, Gebüschen oder Bäumen abbrennen

  • Bei Reisighaufen aufpassen, dass dort keine Tiere Unterschlupf gefunden haben

  • Nur trockenen Pflanzenschnitt verwenden, der jährlich sowieso anfällt

  • Lackiertes Holz, Teefässer oder gar Autoreifen nicht verbrennen, aufgrund giftiger Schadstoffe

  • Kein nasses oder „grünes“ Holz verwenden

  • Feuer möglichst klein halten

  • Und wichtig: Auch private Osterfeuer müssen bei der Feuerweht angemeldet werden.

Wer diese Tipps beherzigt, kann den alten Brauch umweltfreundlich und vor allem mit weniger Feinstaubbelastung begehen.

Quellen:

Feinstaubbelastung in Deutschland, in: umweltbundesamt.de

Was ist Feinstaub?, in: umweltbundesamt.de

Osterfeuer umweltfreundlich gestalten, in: bund.de

Warum ist Feinstaub schädlich für den Menschen?, in: umweltbundesamt.de