Choleriker als Partner: 10 Tipps für einen besseren Umgang

Wer einen Choleriker als Partner hat, ist ständig auf der Hut – schließlich ist unklar, wann der nächste Wutausbruch kommt. Doch was steckt hinter diesem aggressiven Verhalten? Und was kann der andere tun, um sich vor den cholerischen Anfällen zu schützen?

Mann und Frau schreien sich cholerisch an
Wer einen Choleriker als Partner hat, sollte aktiv werden und Wege finden, mit den Wutausbrüchen besser umgehen zu können Foto: iStock/skynesher

Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt – doch plötzlich rastet der Partner wegen einer Kleinigkeit aus, schreit und wirft mit Gegenständen um sich. Wer einen Choleriker als Partner hat, kennt solche unberechenbaren Wutausbrüche zu genüge und fühlt sich bei solchen Jähzorn-Attacken häufig machtlos. Dabei kann es helfen, zu verstehen, warum das Gegenüber ständig Wutausbrüche hat. Viel wichtiger zu verstehen ist allerdings, dass Sie die cholerischen Anfälle nicht einfach hinnehmen müssen. Diese Tipps helfen beim Umgang mit einem cholerischen Partner!

Warum ist mein Partner cholerisch?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die ständigen Wutausbrüche Ihres Partners nichts mit Ihnen zu tun haben. Cholerische Anfälle sagen viel mehr über den Wütenden aus als über denjenigen, der die Wut abbekommt.

Jähzorn, Gereiztheit und Feinseligkeit bei Männern können Hinweise darauf sein, dass Ihr Partner an einer Depression leidet. Bei Frauen zeigt sich eine depressive Erkrankung vor allem dadurch, dass sie niedergeschlagen wirken, antriebslos sind und sich immer mehr zurückziehen. Viele Männer mit Depression neigen hingegen dazu, zusehens gereizter zu werden. Ihnen geht alles auf die Nerven und sie haben Wutausbrüche.

Zu beobachten ist auch, dass Betroffene ein Risikoverhalten an den Tag legen: Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie riskantes Autofahren sind Verhaltensweisen, die einige depressive Männer an den Tag legen. Doch wie kommt es, dass Männer ihre depressiven Gefühle durch Wutausbrüche und Jähzorn Ausdruck verleihen?

Warum der cholerische Partner ein geringes Selbstwertgefühl hat

Die Ursachen für die Entstehung einer Depression bei Männern sind höchst individuell, oftmals aber in der Kindheit des Betroffenen zu finden. So kann es sein, dass das cholerische Verhalten auf alte Verletzungen zurückzuführen ist.

Wenn Eltern beispielsweise grundlos wütend werden, können Kinder diesen Gefühlsausbruch nicht richtig einordnen und beziehen die Wut auf sich. Kinder fühlen sich in solchen Momenten häufig schuldig und versuchen dann alles, um dem Jähzorn der Eltern zu entkommen: Zum Beispiel, indem sie ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken. Dies führt dazu, dass sie kein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können.

Im Erwachsenenalter wird diese Schutzstrategie jedoch irgendwann problematisch, weil sie nie richtig gelernt haben, Ärger und Traurigkeit adäquat auszudrücken und ihre Impulse angemessen zu kontrollieren. Auch das Einstehen für die eigenen Bedürfnisse fällt ihnen häufig schwer.

Werden Bedürfnisse im Erwachsenenalter verletzt oder können sie ihre Gefühle nicht angemessen kommunizieren, neigen sie zu cholerischen Anfällen, so wie es bereits bei ihren Eltern der Fall war: Laut einer Umfrage des Psychologen Theodor Itten aus St. Gallen waren 20 Prozent der Befragten Opfer jähzorniger Eltern – etwa jede:r Vierte:r gab an, selbst cholerisch zu sein.

Oftmals reicht schon eine Kleinigkeit, um „das Fass zum Überlaufen“ zu bringen. Dabei sind dies keine böswilligen Wutausbrüche, sondern in erster Linie ein Zeichen von Hilfslosigkeit, Ohnmacht und Überforderung. Interessant ist, dass Jähzornige eine Erleichterung während ihres Wutausbruchs spüren – diese hält jedoch nicht lange an: Kurz nach dem Anfall schämen sie sich dafür und geloben Besserung.

Choleriker als Partner: Wutausbrüche können auch diese Ursachen haben

Nicht nur im Zuge einer depressiven Erkrankung können Menschen cholerisch sein. Auch bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung neigen Betroffene zu willkürlichen Wutausbrüchen. Bei narzisstischen Menschen ist der Jähzorn stark ausgeprägt und kann immer dann ausbrechen, wenn er oder sie sich in seinem überhöhtem Selbst angegriffen fühlt – was sehr schnell passieren kann.

Cholerische Anfälle sind aber auch bei Menschen zu beobachten, die ADHS oder Autismus haben.

Choleriker als Partner: Darum ist Selbstschutz wichtig

Auch wenn cholerische Anfälle bei Männern häufig auf eine Depression zurückzuführen sind – für die Beziehung belastend sind sie dennoch. Wichtig ist, dass sich der cholerische Partner in eine psychotherapeutische Behandlung begibt, um aus dem Wut-Muster auszubrechen. Denn Jähzorn ist ein gelerntes Verhalten, dass mit viel Übung wieder umgelernt werden kann, insofern die Bereitschaft dazu da ist.

Das Gleiche gilt für diejenigen, die dem täglichen Jähzorn ausgesetzt sind: Wenn Sie darunter leiden und Sie nicht mehr weiterwissen, lohnt es sich, mit einem Psychotherapeuten bzw. einer Psychotherapeutin über die Situation zu sprechen. Selbstschutz ist wichtig, damit Sie durch die ständige psychische Belastung nicht selbst eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung entwickeln.

10 Tipps für den Umgang mit einem Choleriker als Partner

Neben einer Therapie sind diese Tipps im Umgang mit dem cholerischen Partner hilfreich, um die Wut des anderen zu entkräften und sich selbst besser schützen zu können:

  1. Nicht persönlich nehmen: Auch wenn es schwerfallen mag – machen Sie sich bewusst, dass die Wutausbrüche nichts mit ihnen zu tun haben, sondern ein indirekter „Hilferuf“ Ihres Partners sind. Dies soll keine Entschuldigung für das unangemessene Verhalten sein, kann aber helfen, das Verhalten richtig einzuordnen und sich nicht selbst schuldig zu fühlen.

  2. Zeigen Sie Verständnis: Aussagen wie „Du bist psychisch krank und brauchst eine Therapie, sonst bin ich weg!“ sind zwar verständlich, lösen im Gegenüber jedoch mehr den Impuls aus, zu leugnen, dass hinter seinem Jähzorn ein tieferliegendes Problem stecken könnte. Sanfter Druck hilft mehr: Wenn Sie Ihrem Partner mitfühlend begegnen und gleichzeitig aufzeigen, dass Sie die cholerischen Anfälle so nicht weiter hinnehmen, können Sie mehr erreichen.

  3. Treten Sie selbstbewusst auf: Selbstbewusstes Auftreten sagt sich so leicht – denn oftmals suchen sich cholerische Personen Partner, die eher schnell eine Opferrolle einnehmen. Wer jedoch dem Choleriker zugewandt und ruhig begegnet und nicht eingeschüchtert wirkt, kann ihm schneller „den Wind aus den Segeln“ nehmen.

  4. Nicht herunterspielen: Wenn Sie den Auslöser des Wutausbruchs relativieren und herunterspielen, kann dies die Wut des Gegenübers weiter verstärken. Nehmen Sie stattdessen seine Wut in diesem Moment ernst, auch wenn sie unverhältnismäßig ist.

  5. Wertungsfrei sein: Manchmal hilft es, wenn Sie Ihrem Gegenüber noch einmal darlegen, um welche Situation es sich handelt, die ihn in Rage gebracht hat. Eine wertungsfreie bzw. neutrale Beschreibung kann dazu führen, dass dem Jähzornigen klar wird, wie unangemessen sein Verhalten ist.

  6. Nicht provozieren: Klar, dass man sich die Wut des anderen nicht gefallen lassen möchte. Doch Provokationen wie sarkastische Bemerkungen oder gar Beschimpfungen führen letztlich nur dazu, dass sich die Wut weiter hochschaukelt.

  7. Nicht rechtfertigen: Diskussionen mit cholerischen Personen führen zu nichts. Sie laden ihre geballte Wut ab, sehen die vermeintliche Schuld im Gegenüber und sind für Argumente nicht empfänglich.

  8. Verlassen Sie die Situation: Gut zureden bringt bei Cholerikern meistens nichts, weil ihre Wut ungebremst „raus muss“. Verlassen Sie deshalb den Raum, denn oftmals hilft der räumliche Abstand, um erhitzte Gemüter wieder zu beruhigen.

  9. Vereinbaren Sie ein Codewort: Wenn Ihr Partner einsieht, dass er ein Problem hat und selbst unter den Wutausbrüchen leidet, können Sie ein gemeinsames Codewort vereinbaren. Dies wendet der cholerische Partner immer dann an, wenn er merkt, wie Wutgefühle plötzlich hochkommen – oftmals wird die Aggression dadurch entschärft und der Gegenüber ist vorgewarnt.

  10. Letzter Ausweg Trennung: Wenn Ihr Partner nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, hilft meistens nur noch eine Trennung, um die cholerischen Anfälle nicht weiter ertragen zu müssen. Vor allem von narzisstischen Cholerikern ist keine Besserung zu erwarten – um den emotionalen Missbrauch durch sie zu unterbinden, ist eine Trennung unweigerlich, um sich selbst zu schützen.

Wichtig ist, dass Sie selbst ins Handeln kommen und die cholerischen Anfälle nicht weiter über sich ergehen lassen – ansonsten werden Sie mit einem Choleriker als Partner keine erfüllte und glückliche Beziehung führen können.

Depression: Wo finde ich Hilfe?

Wenn Sie sich ständig erschöpft und traurig fühlen oder unter Schlafproblemen leiden, kann dies auf eine Depression hindeuten. Spätestens nach zwei Wochen Niedergeschlagenheit ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen. Auf der Website der Deutschen Depressionshilfe finden Sie verschiedene Anlaufstellen. Dort sind auch Adressen für Notfälle gelistet. Bei konkreten Suizidgedanken ist es wichtig, die nächstgelegene Klinik mit psychiatrischer Notaufnahme aufzusuchen.

Bei akuten Sorgen oder Ängsten können Sie jederzeit anonym die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800/111 0 111 oder 116 123 anrufen.

Wenn Sie nicht selbst betroffen sind, aber depressive Symptome bei anderen bemerken, erhalten Sie auf der Website der Deutschen Depressionshilfe konkrete Handlungsempfehlungen. Besteht eine konkrete Suizidgefahr ist es wichtig, sofort den Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei zu verständigen.

Quellen:

Steffen, H. (2012). Jähzorn. Psychotherapeutische Antworten auf ein unberechenbares Gefühl. Balint Journal, 13(04), 128-129.

Reizbarkeit, Ärger, Sucht sind typische Depressionssymptome bei Männern, in: neurologen-und-psychiater-im-netz.org