Beitrags-Schock bei den Krankenkassen! Was jetzt drohen könnte

Alles wird teurer – auch die Krankenkassen-Beiträge: Jetzt warnt die Chefin der AOK vor einem wahren Beitrags-Schock. Die Gründe und was Deutschland drohen könnte.

Carola Reimann
Die AOK-Chefin Carola Reimann warnt vor einem Beitrags-Schock Foto: IMAGO/Joachim Sielski

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat bereits steigende Krankenkassenbeiträge angekündigt. Doch das könnte nicht reichen: Nun warnt die AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann vor einer dramatischen Entwicklung – es könnte einen Beitrags-Schock geben. Und sogar noch schlimmer kommen.

AOK-Chefin warnt vor Beitrags-Schock bei Krankenkassen

Die finanzielle Lage der Krankenkassen in Deutschland ist desaströs. Jetzt schlägt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, Alarm und erklärte gegenüber dem „Handelsblatt“, dass Deutschland sich in einer fragilen Situation befände. Die Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen könnten im kommenden Jahr noch stärker steigen als bislang geplant.

„Der Minister muss verstehen, dass die Kassen leer sind“, so Reimann in Bezug auf Lauterbachs Ankündigung, dass der Zusatzbeitrag deutlich – nämlich um 0,3 Prozent – steigen werde. Der Beitrag für gesetzlich Versicherte wächst dann von 14,6 Prozent auf 16,2 Prozent des Bruttolohns.

Beitrags-Schock: Inflation trifft Krankenkassen

Laut der AOK-Vorständin machten sich die höheren Energiepreise und die Inflation im Gesundheitssystem schon jetzt bemerkbar. Sollte das Defizit noch größer ausfallen als erwartet, würde die geplante Erhöhung um 0,3 Prozent nicht ausreichen – die Beiträge müssten dann noch stärker steigen.

Droht den Krankenkassen die Insolvenz?

Die von Lauterbach geplante Struktur- und Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherungen nannte Reimann eine „hektische Flickschusterei“. Die Gefahr für die Kassen würde nur vergrößert, weil auch auf Kassenreserven zurückgegriffen werden soll. Dies schränke die Zahlungsfähigkeit der Kassen weiter ein und verhindere Investitionen in eine bessere Gesundheitsversorgung. 

Angesichts dessen warnt Reimann davor, dass eine Rezession das Kassensystem in eine „historische Krise“ stürzen würde. Dies würde auch die Gefahr erhöhen, dass Krankenkassen insolvent würden. „Man möchte sich das bei einer großen Kasse nicht vorstellen“, so die AOK-Chefin.

Ab 2023: Lauterbach plant Erhöhung der Krankenkassenbeiträge

Bereits im Mai hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach eine Erhöung der Krankenkassenbeiträge angekündigt. In einem Schreiben des Gesundheitsministeriums, das der „Bild“-Zeitung vorliegt, hieß es, dass die Beiträge ab dem Jahr 2023 „moderat“ ansteigen sollen. Aber warum eigentlich?

Grund dafür ist der geplante Ausgleich der erwarteten Finanzlücke der Krankenkassen, die durch den Ukraine-Krieg und die Pandemie auf eine Höhe von bis zu 17 Milliarden Euro prognostiziert wird.

Krankenkassenbeiträge steigen: Wie teuer wird’s wirklich?

Wie hoch die „moderate“ Erhöhung ausfallen soll, hat Lauterbach erst Ende Juni bekannt gegeben: Demnach sollen die durchschnittlichen Zusatzbeiträge für die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr um 0,3 Prozentpunkte steigen. 

Fest steht jedenfalls: Der Ukraine-Konflikt lässt nicht nur die Energie-Versorgungspreise sowie Lebensmittelkosten in die Höhe steigen – auch die Krankenkassenbeiträge werden durch den Krieg beeinflusst. Zusätzlich zu dem ohnehin schon entstandenen Defizit durch die Corona-Pandemie war es erwartbar, dass die Krankenkassenbeiträge spätestens ab 2023 weiter steigen werden. Dass es aber zu einem wahren Beitrags-Schock und vielleicht sogar zu Insolvenzen kommen könnte, zeigt, dass die aktuelle Lage anscheinend weitaus dramatischer ist.