Babyblues: Symptome und die besten Tipps

Der Babyblues trifft die vielen betroffenen Mütter wie ein Schlag ins Gesicht: Statt der angekündigten Hochgefühle können sie in den Tagen nach der Geburt ihres Kindes nur Erschöpfung, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit empfinden. Das ist enttäuschend, belastend und – und das ist die gute Nachricht – vollkommen normal. Die Babyblues-Symptome und alle wichtigen Infos zu den Heultagen nach der Geburt im Überblick!

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Der Babyblues ist eine häufige Form der depressiven Verstimmung: 50 bis 80 Prozent der Mütter haben nach der Geburt ihres Kindes damit zu kämpfen. Verantwortlich für das vorübergehende Stimmungstief sind die massive Hormonumstellung nach der Schwangerschaft und die Anpassung an das neue Leben mit Kind. Auch schwierige oder enttäuschende Geburtserfahrungen können damit zusammenhängen.

Eine Mutter hält ihr Baby im Arm
Mit dem Babyblues hat ein Großteil der jungen Mütter zu kämpfen Foto: iStock/FatCamera

Babyblues-Symptome: Die häufigsten Anzeichen

Die Babyblues-Symptome können sich von Frau zu Frau unterscheiden – typisch sind folgende Anzeichen:

  • Ausgeprägte Erschöpfung

  • Stimmungsschwankungen  

  • Aggressivität (die den betroffenen Müttern und ihren Angehörigen häufig vorher unbekannt war)

  • Traurigkeit

  • Große Sorgen um die Zukunft und das Baby

  • Erhöhte Empfindsamkeit

  • Schlafstörungen

  • Appetitlosigkeit

  • Konzentrationsprobleme

  • Häufiges Weinen

„Heultage“: Nach der Geburt herrscht Hormonchaos

Dem letztgenannten Symptom ist es zu verdanken, dass der Babyblues auch als „Heultage“ bezeichnet wird. Der Grund sind plötzliche Weinkrämpfe, die die betroffenen Mütter scheinbar aus dem Nichts überfallen können; und das ausgerechnet in der vom Umfeld so gepriesenen „glücklichen Kennenlernzeit“ mit dem oder der lang ersehnten neuen Erdenbürger:in.

Der Grund für den plötzlichen Stimmungseinbruch zu einer scheinbar so unpassenden Zeit ist die schlagartige und massive Umstellung des Hormonhaushalts der Mutter. Mit der Nachgeburt, also der Abstoßung des Mutterkuchens, stoppt plötzlich die Produktion der Schwangerschaftshormone. Denn die Plazenta hatte nicht nur die Aufgabe, das ungeborene Kind zu ernähren – sondern auch die, den Hormonhaushalt der Mutter konstant im „Schwangerschaftsmodus“ zu halten.

Das Unangenehme dabei: Unter anderem der plötzliche Absturz des Hormons Östrogen kann der Stimmung der jungen Mutter ordentlich zusetzen. Denn Östrogen hat neben vielen anderen Funktionen auch einen Einfluss auf die psychische Verfassung: So kurbelt es die Aktivität des Glückshormons Serotonin an und wirkt stimmungsregulierend. Fehlt mit einem Mal ein Großteil dieses „Stimmungsboosters“ im Gehirn, hat das die typischen Babyblues-Symptome zur Folge.

Babyblues: Nach der Geburt ist alles anders (als erwartet)

Zu dem Hormonchaos kommt die massive Umstellung in der Lebenssituation, die trotz aller Vorbereitung immer plötzlich kommt und mit der Mütter (und auch Väter) unterschiedlich schnell zurechtkommen. Das Leben zu dritt ist ein ganz anderes als das Leben zu zweit und gerade in den ersten Wochen typischerweise mit vielen neuen Problemen, Sorgen und körperlichen Beschwerden verbunden. Was häufig zunächst ausbleibt, sind die erwarteten Hochgefühle und Glücksmomente des neuen Familienlebens, die man aus den Medien und Erzählungen aus dem Freundeskreis kennt. Das kann zu einer Art „Heimweh“ nach dem alten Leben führen. Doch auch hier gilt: Das ist ganz normal und Betroffene und ihre Angehörigen sollten keinen falschen Leistungsdruck aufbauen, um die Umstellungsphase abzukürzen – das funktioniert, wenn überhaupt, nur mit viel Verständnis und Hilfe aus dem Umfeld.

Schließlich haben Mütter, bei denen die Geburt anders als geplant verlaufen ist und beispielsweise mit Komplikationen verbunden war, ein höheres Risiko, am Babyblues zu leiden. Sie kämpfen häufig zu allem Übel mit Selbstvorwürfen und dem Gefühl, versagt zu haben, weil die Geburt ihres Kindes nicht „natürlich“ war oder sie sie nicht als so wundervoll erlebt haben, wie sie selbst oder ihr Umfeld das von ihnen erwartet haben.

Babyblues: Wann setzt er ein?

In der Regel beginnt der Babyblues drei bis fünf Tage nach der Geburt. Der Grund dafür ist, dass der Sinkflug der Schwangerschaftshormone zu diesem Zeitpunkt mit voller Wucht im Gehirn ankommt. Neben dem Abfall von Östrogen finden in dieser Zeit viele weitere Hormonumstellungen im Körper der frischgebackenen Mutter statt – all das kann Einfluss auf ihre psychische Verfassung haben.

Die Babyblues-Dauer ist begrenzt

Meist ist der Babyblues nach zwei Wochen überstanden. Sollten nach Ablauf dieser Zeit noch Beschwerden bestehen, sollten sich betroffene Frauen an ihren Arzt oder ihre Ärztin wenden. Dann ergibt es Sinn, abzuklären, ob ihre Symptome auf eine Wochenbettdepression hindeuten.

Auch, wenn der Babyblues erst nach drei Monaten oder noch später einsetzt, handelt es sich in der Regel nicht um die „Heultage“, sondern womöglich um eine depressive Erkrankung. Diese sollte schnellstmöglich diagnostiziert werden, um die Lebensqualität der Mutter schnell wieder zu verbessern und ihr und ihrem Baby die Möglichkeit zu geben, ungestört eine gesunde Bindung aufzubauen.

Babyblues: Hilfe von Angehörigen lindert die Symptome

Wenn der Babyblues zugeschlagen hat, helfen vor allem zwei Dinge: darüber reden und sich bei der Pflege des Babys unterstützen lassen. Es kann die Symptome lindern, wenn der frischgebackene Vater und andere Angehörige viel Verständnis für die Sorgen und Traurigkeit der betroffenen Mutter haben und ihr die Möglichkeit geben, sich ihren Kummer von der Seele zu reden. Denn darüber zu sprechen ist tatsächlich die effektivste Gegenmaßnahme in dieser Situation. Außerdem sollte die Betroffene viel Unterstützung bei der Pflege des Babys bekommen, um das ständige Gefühl der Überforderung zu mindern.

Zusätzlich kann es wohltuend sein, wenn betroffene Frauen möglichst viel Zeit mit ihrem Baby verbringen – und das mit viel Hautkontakt. Beim Stillen wird zudem das Kuschel- und Wohlfühlhormon Oxytocin vermehrt ausgeschüttet. All das hilft beim Aufbau der Mutter-Kind-Bindung und kann die positiven Gefühle für das Baby stärken. Diese positiven Gefühle überlagern dann in den allermeisten Fällen nach einigen Tagen oder Wochen die negativen der „Heultage“. Tun sie das nicht, handelt es sich vermutlich nicht um den Babyblues, sondern um eine Wochenbettdepression – aber selbst dann gibt es schnelle und wirksame Hilfe für betroffene Frauen, sodass sie ihr Leben mit dem neuen Familienmitglied möglichst bald genießen können.

Gibt es einen Babyblues vor der Geburt?

Einen Babyblues vor der Geburt gibt es nicht – denn die Schwangerschaftshormone beginnen ihren Sinkflug niemals schon vor der Geburt, sondern erst, wenn der Mutterkuchen abgestoßen wurde. Allerdings kommen sowohl Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft als auch Schwangerschaftsdepressionen vor. Während Ersteres durch die Hormonumstellung zu Beginn der Schwangerschaft relativ weit verbreitet ist, ist Letzteres eine ernstzunehmende Erkrankung, die zum Glück nur wenige Frauen betrifft. Wenn werdende Mütter über längere Zeit an Symptomen wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leiden, sollten Sie ihren Arzt oder ihre Ärztin darauf ansprechen – denn eine Schwangerschaftsdepression kann gut behandelt werden.

Babyblues beim Papa: Gibt es das?

Bei Vätern fällt nach der Geburt kein Hormongerüst zusammen und sorgt für Chaos in Körper und Gehirn – dennoch gibt es auch so etwas wie einen Babyblues bei Papas. Bei frischgebackenen Vätern stehen vor allem die Umstellung vom gewohnten Alltag zum neuen Familienleben und die damit verbundenen Sorgen und Ängste im Vordergrund. Unsicherheiten in Bezug auf die neue Vaterrolle, Sorgen aufgrund der neuen finanziellen Verantwortung und das plötzliche Bewusstsein, einen großen Teil der persönlichen Freiheit verloren zu haben, können dabei eine Rolle spielen.

Auch bei Vätern kann sich der Babyblues durch Symptome wie Stimmungsschwankungen, Aggressivität und häufiges Weinen äußern. Auch diese Probleme sollten von Angehörigen unbedingt ernstgenommen und nicht etwa belächelt werden. Denn auch Väter brauchen Zeit, in ihrer neuen Rolle anzukommen, und sollten dabei möglichst viel Unterstützung aus ihrem Umfeld bekommen. Auch ihnen hilft es, über ihre Probleme zu sprechen, Verständnis entgegengebracht zu bekommen und viel Zeit mit ihrem Baby zu verbringen, um eine enge Vater-Kind-Bindung aufbauen zu können.

Die „Heultage“ im Wochenbett können also sowohl Mütter als auch Väter betreffen. Beiden kann es helfen, schon im Vorfeld über das mögliche Auftreten solcher Probleme Bescheid zu wissen – und darüber, dass der Babyblues keine Krankheit ist, sondern bei sehr vielen Eltern schlicht zum Anpassungsvorgang an das neue Familienleben dazugehört.