Asiatische Tigermücke breitet sich weiter aus: Jetzt auch in Berlin gesichtet

Das gefährlichste Tier der Welt sieht gar nicht so gefährlich aus – überträgt aber zahlreiche Krankheiten, die gravierende Folgen haben können. Bekannt ist, dass sich das Insekt infolge des Klimawandels bereits im Süden Deutschlands ausgebreitet hat. Doch jetzt wurde die Asiatische Tigermücke weiter nördlich gesichtet: in Berlin. Welche Gefahr von dem Insekt ausgehen.

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Sie ist klein, durch ihre schwarz-weiße Färbung aber recht auffällig – und jetzt auch bei uns immer häufiger zu finden: Die asiatische Tigermücke. Sie gilt als tödlichstes Tier der Welt, weil sie gefährliche Krankheiten übertragen kann. Bisher hat sie sich vor allem in Süddeutschland verbreitet. Aktuelle Beobachtungen zeigen jedoch: Auch in Berlin scheint das Insekt mittlerweile heimisch zu sein! Wovor die Berliner Behörden jetzt warnen.

Asiatische Tigermücke in Berlin heimisch: Behörden warnen vor Gesundheitsgefahr

Das gefährliche Insekt wurde bereits im Spätsommer 2021 in Berlin gesichtet – jetzt ist jedoch klar: Die Asiatische Tigermücke hat in der Hauptstadt überwintert, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in einer Pressemitteilung bekannt gibt. Nach Informationen der Berliner Behörde wurden in einer Berliner Kleingartenanlage im Bezirk Treptow-Köpenick "erneut mehrere erwachsene Exemplare der Asiatischen Tigermücke nachgewiesen".

Aufgrund des erneuten Funds sieht die Senatsverwaltung einen Beleg für die Überwinterung und fürchtet eine "dauerhafte Ansiedlung" der gefährlichen Stechmücke. "Berlin ist damit bislang der in Deutschland nördlichste Punkt, an dem Asiatische Tigermücken und ihre Vermehrung vor Ort nachgewiesen werden konnten", heißt es in der Pressemitteilung.

Tigermücke in Berlin bekämpfen: So wollen die Behörden die Verbreitung eindämmen

Doch wie geht es weiter? Seit Juni 2022 läuft ein umfassendes Monitoring in 35 Parzellen der betroffenen Berliner Kleingartenanlage, um Larven und Eier der Tigermücke zu überwachen. Beteiligt daran sind das Gesundheitsamt Troptow-Köpenick, das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) sowie Expert:innen des Mückenatlas Deutschlands. Um das Insekt erfolgreich zurückzudrängen, sei eine "koordinierte Bekämpfungsstrategie" erforderlich.

Das LAGeSo hat deshalb einen Aufruf an die Berliner Bevölkerung gestartet: Das Amt bittet die Bürger:innen, "verdächtige Mückenexemplare" an den deutschen Mückenatlas zu melden. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass sich das Insekt mittlerweile auch in anderen Bezirken Berlins verbreitet hat. Umfassende Informationen über die Tigermücke, Maßnahmen zur Bekämpfung und Kontaktmöglichkeiten hat das Landesamt in einem Flyer zusammengetragen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sterben weltweit jedes Jahr 725.000 Menschen an den Folgen eines Mückenstichs. Damit zählen die stechenden Insekten zur tödlichsten Tierart weltweit.

Bekämpfung von Tigermücken-Larven auch in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg hat sich die Tigermücke aufgrund milderer Temperaturen im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahren stark ausgebreitet. Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) informiert daher aktuell, dass besonders entlang der Rheinebene, in Stuttgart, sowie in den Kreisen Heilbronn, Esslingen, Ludwigsburg und im Rems-Murr-Kreis die Tigermücke bereits zu finden ist.

Nun soll die Ausbreitung durch die Bekämpfung der Mücken-Larven sowie das Entfernen von möglichen Brutstätten in den Sommermonaten vorangetrieben werden. Empfohlen wird die Vermeidung von Wasseransammlungen im Garten oder auf dem Balkon und das Herumliegen von Kinderspielzeug. Regentonnen sollen möglichst verschlossen, entleert oder beseitigt werden.

Asiatische Tigermücke breitet sich in Bayern aus

Nachdem in Baden-Württemberg vor der asiatischen Tigermücke gewarnt wurde, sind auch die Behörden in Bayern alamiert. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist sie aktuell „die sich am erfolgreichsten verbreitende Stechmückenart“ und wurde auch in Bayern seit 2015 immer wieder vereinzelnd nachgewiesen. Wie aus einem Bericht von "BR Wissen" hervorgeht, wurde die asiatische Tigermücke bereits an zwölf Standorten in Bayern entdeckt.

Aedes-Mücke: Wie breitet sie sich aus?

Die Stechmücke der Art Aedes albopictus stammt ursprünglich aus Asien. Durch den internationalen Handel mit Produkten und den Flugverkehr konnte sie sich in der ganzen Welt verbreiten. Und der Klimawandel tut sein Übriges: Die Sommer werden auch außerhalb der tropischen Heimat der Tigermücken und verwandter Arten wärmer und die Winter milder. Das schafft gute Lebensbedingungen auch in Regionen, in denen die Stechmücken bisher nicht überleben konnten.

Asiatische Tigermücke in Europa

In den 80er-Jahren wurde die Tigermücke erstmals in Italien entdeckt. Dort ist sie heute flächendeckend zu finden. Laut Umweltbundesamt tritt sie mittlerweile in 26 europäischen Ländern auf und gilt in 19 Ländern als etabliert – auch in Deutschland: Seit 2007 wurde sie in verschiedenen Regionen Süddeutschlands nachgewiesen, vor allem um Freiburg und Heidelberg. Hier kann die Stechmücke sogar den Winter unbeschadet überleben. Auch in Bayern ist sie mittlerweile zu Hause und kommt inzwischen nicht nur vereinzelt, sondern in größeren Populationen vor.

Gefährliche Tigermücke: Diese Krankheiten drohen

Die Stechmücke überträgt verschiedene Krankheiten. Neben bestimmten Fadenwürmern auch mehr als 20 Virenarten. Deshalb gilt sie als besonders gefährlich. Die Tigermücke kann potenziell tödliche Krankheiten übertragen, unter anderem das West-Nil- und Denguefieber sowie das Chikungunya- und das Zika-Virus. In Südeuropa sind bereits Menschen an diesen Viren erkrankt, die von asiatischen Tigermücken übertragen worden sind.

Wie hoch ist Gefahr durch die asiatische Tigermücke in Deutschland?

Die Experten vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, erachten das „Risiko einer Übertragung des Zika-Virus durch Stechmücken in Deutschland (…) z.Zt. als relativ gering.“ Dazu bräuchte es eine infizierte Person und ideale Vermehrungsbedingungen des Virus in der Mücke. Doch die dazu nötigen tropischen Temperaturen werden bei uns selten erreicht.

Außerdem ist die Anzahl der Tigermücken hier noch recht niedrig und räumlich beschränkt; jedes Auftreten wird systematisch bekämpft. Dennoch ist die Gefahr nicht zu leugnen: Mit zunehmender Ausbreitung und steigenden Temperaturen besteht das Risiko, dass sich die asiatische Tigermücke in Zukunft auch in Deutschland weiter ausbreiten wird.