Antikörper-Tests: Wie aussagekräftig sind sie bei Corona?

Ob geimpft oder genesen: Viele Menschen möchten wissen, ob sie noch genug Antikörper im Blut haben und vor einer Corona-Infektion oder einem schweren Verlauf geschützt sind. Hier können Antikörper-Tests Hinweise liefern. Doch wie sinnvoll sind sie wirklich? Können sie 100-prozentige Sicherheit geben? Das sagen Expert:innen.

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Antigen-Tests kennen die meisten inzwischen gut. Sie dienen als Nachweis für eine Corona-Infektion. Antikörper-Tests hingegen sollen Auskunft darüber geben, ob man in der Vergangenheit schon mal infiziert war oder ob man nach der Impfung ausreichend geschützt ist. Ihre Aussagekraft ist allerdings beschränkt.

Welche Arten von Antikörper-Tests gibt es?

Es gibt mehrere Arten von Antikörper-Tests:

  • Tests, die belegen, dass Antikörper im Blut vorhanden sind: Sie können Hinweise darauf liefern, ob man bereits einmal mit SARS-CoV-2 infiziert war. Diese Antikörper-Tests sagen aber nicht mehr aus – nur ob Antikörper vorhanden sind (positiv) oder nicht (negativ). Sie geben jedoch keine Auskunft darüber, wie gut man gegen das Virus und insbesondere dessen gefährliche Varianten geschützt ist.
  • Andere Tests bestimmen die Menge an Antikörpern im Blut, den so genannten Antikörpertiter. Diese Tests sind inzwischen sehr präzise und können genau die Antikörper nachweisen, die gegen das spezielle Spike-Protein des Coronavirus wirken. Es gibt allerdings keinen genauen Antikörpertiter-Wert, ab dem man sicher vor einer Infektion geschützt ist, dazu gibt es bislang keine ausreichenden Daten.
  • Neutralisationstests, die die Wirksamkeit der vorhandenen Antikörper gegen das Coronavirus prüfen: Dazu werden im Labor Blutproben und harmlose (nicht infektiöse) Teile vom Coronavirus zusammengebracht und die Reaktion untersucht. Fällt diese positiv aus, kann man auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 schließen. Wie gut die Immunantwort aber wirklich ist, lässt sich nicht sagen.

Ist ein Antikörpertest nach der Impfung sinnvoll?

Nicht wirklich, laut Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Der Grund: „Es gibt zum Beispiel Antikörper, die nur nach einer Infektion zu finden sind, aber nicht nach der Impfung.“ Mit dem falschen Test sei die Enttäuschung dann groß.

Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt keine generelle Prüfung des Antikörper-Status, da es bisher keinen eindeutigen Schwellenwert gibt, ab dem man als geschützt gelten kann. Laut Virologe Timm liegt das daran, dass der Erkrankungsverlauf von zu vielen Faktoren abhängt: „Antikörper sind nur ein Faktor, Grunderkrankungen, Alter der Patienten, die Infektionsdosis und die Eigenschaften von Virusvarianten sind weitere Faktoren.“ 

Timm warnt zudem davor, vor einer Impfung durch den Nachweis von Antikörpern im Blut darauf zu schließen, dass man keine Auffrischung bräuchte. Auch hier gilt: „Es ist nicht bekannt, ab welchem Wert von einem ausreichenden Schutz vor der Erkrankung ausgegangen werden kann.“

Wie zuverlässig sind Antikörper-Schnelltests?

Es gibt Tests für zu Hause, bei denen man eine kleine Menge Blut, zum Beispiel aus dem Finger, zusammen mit einem Lösungsmittel in eine Testkassette gibt. Die Ergebnisse werden dann farblich angezeigt. Diese Tests sind jedoch kaum aussagkräftig, da ihre Fehlerquote recht hoch ist.

Antikörper-Tests, die in Laboren ausgewertet werden, sind deutlich zuverlässiger. Hier wird das Blut mit Virusteilen und einem speziellen Enzym zusammengebracht. Am Ende kann bestimmt werden, ob Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut vorhanden sind und auch, wie viele. Doch auch hier ist immer noch jedes zweite positive Ergebnis falsch positiv – 100 Prozent zuverlässig ist also keiner der Schnelltests.

Was kosten Antikörpertests?

Die Schnelltests für zu Hause kosten in der Regel zwischen 10 und 20 Euro. Die zum Einschicken sind etwas teurer, der Preis liegt bei 50 bis 80 Euro. Lässt man einen Antikörpertest beim Arzt machen, muss man ebenfalls mit Kosten zwischen 20 und 60 Euro rechnen, je nach Test. Dies muss selbst gezahlt werden, denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bei „medizinischer Notwendigkeit“.

Sollte man einen Corona-Antikörpertest machen?

Eine absolut sichere Aussage zum aktuellen Stand des Immunschutzes lässt sich aus oben genannten Gründen über Antikörper-Tests nicht machen, es lässt sich allenfalls eine Tendenz – etwa bei einem hohen Antikörpertiter – ablesen. Möchte man jedoch wissen, ob man schon mal Kontakt mit dem Coronavirus hatte, kann ein entsprechender Test hilfreich sein. Fällt er allerdings negativ aus, ist dies kein Beweis, dass man nicht schon mal unbemerkt infiziert war: Die Antikörper könnten schon abgenommen haben und nicht mehr nachweisbar sein. 

Ausnahmen gelten auch für Patient:innen, die alt oder deren Immunsystem durch eine Erkrankung stark geschwächt ist: Hier können Antikörper-Tests durchaus sinnvoll sein, um eventuell schnell nachzuimpfen.

Quellen:
Wann sind Antikörper-Tests sinnvoll? in: tagesschau.de
Ihre Fragen: Sollte man vor der Booster-Impfung einen Antikörper-Test machen lassen? in: www1.wdr.de