Angst vor großen Dingen: Symptome, Ursachen und Selbsthilfe-Tipps

Wer Angst vor großen Dingen hat, wird im Alltag stark eingeschränkt. Betroffene fürchten sich nicht nur vor großen Gebäuden, sondern auch vor riesigen Statuen oder Fahrzeugen. Woher die Angst kommt und was gegen sie hilft.

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In der heutigen Zeit soll alles immer schneller, besser und größer sein. Fernseher, Autos, Einkaufszentren. Für manche Menschen stellt jedoch das Größerwerden von Gebäuden oder Geräten ein richtiges Problem dar. Denn: Sie haben Angst vor großen Dingen. Wie sich die Angst äußert, welche möglichen Ursachen es gibt und was Betroffenen helfen kann.

Angst vor großen Dingen: Ist das eine Phobie?

Die Angst vor großen Dingen (Megalophobie) ist eine Angststörung und zählt zu den spezifischen Phobien. Betroffene fürchten sich vor riesigen Gegenständen oder Menschen. Dabei scheuen sie entweder die reale Konfrontation oder sie haben bereits Angst, wenn die Dinge fiktiv in einem Film auftauchen. Im Gegensatz zum Megalophobiker gibt es auch Personen, die nicht genug von Größe bekommen können. Diese werden als Megalomanen (Größenwahnsinnige) bezeichnet.

Die Megalophobie steht immer im Zusammenhang mit bestimmten Reizen oder Situationen wie zum Beispiel:

  • betreten (oder auch nur Sehen) von riesigen Gebäuden

  • bestimmte Objekte draußen oder drinnen

  • negative Erfahrungen mit großen Objekten oder Menschen

  • fremde oder bekannte Personen, die sehr groß sind

Angst vor großen Objekten: Vor diesen Dingen fürchten sich Megalophobiker

Die meisten Betroffenen einer Megalophobie haben Angst vor großen Objekten. Das können sein:

  • Gebäude

  • Fahrzeuge

  • Flugzeuge

  • Schiffe

  • Tiere

  • Berge

  • Statuen

  • Denkmäler  

  • andere Objekte, z.B. Turmuhren oder LKW-Reifen

Megalophobie: Symptome im Überblick

Angst wird subjektiv empfunden, weshalb sich die Symptome der Phobie von Mensch zu Mensch unterscheiden können. Viele Megalophobiker berichten davon, dass sie beim Anblick großer Dinge Angst bekommen, zerquetscht zu werden. Auch den Gedanke, sich in der schier unendlichen Größe zu verlieren oder darin gefangen zu sein, haben viele.

Typisch für eine Megalophobie sind folgende Anzeichen:

  • Zittern

  • Herzrasen

  • Weinen

  • Hitzewallungen

  • Kälteschauer

  • Kopfschmerzen

  • Schwindel

  • Magenbeschwerden

  • Kloß im Hals

  • Panikattacke

  • negatives Gedankenkarussel

  • ständige Anspannung

  • beim Fernbleiben von großen Objekten/Menschen verringern sich die Angstsymptome

Das letzte Symptom führt dazu, dass Betroffene beginnen, riesige Dinge zu vermeiden. Auch wenn das Belohnungssystem durch dieses Verhalten gestärkt wird, erhöht sich gleichzeitig die Angst vor der realen oder fiktiven Konfrontation mit großen Objekten. Es entsteht ein Teufelskreis aufgrund des Vermeidungsverhaltens. Megalophobiker können im schlimmsten Fall das Haus nicht mehr verlassen.

Phobie vor großen Dingen: Daran merken Angehörige die Angst

Betroffene einer Megalophobie verbinden ihre Furcht vor großen Gegenständen oder Menschen meist nicht sofort mit einer krankhaften Angststörung. In diesem Fall können Angehörige helfen. Denn diese merken oft zuerst, dass jemand in bestimmten Situationen mit riesigen Objekten immer angespannt ist oder sie sogar vermeidet. „Ich warte hier“ oder „Kannst du das nicht allein machen?“ sind typische Sätze, wenn man gemeinsam ein großes Gebäude betreten möchte.

Angst vor großen, leeren Räumen und Plätzen: Ist das eine Megalophobie?

Wer Angst vor großen Räumen oder großen Plätzen hat, leidet nicht an einer Megalophobie, sondern unter Agoraphobie. Betroffene fürchten sich sehr davor, sich in Menschenmengen zu begeben oder öffentliche Plätze zu betreten. Die Furcht vor weitläufigen Plätzen oder Hallen wird begleitet von Unbehagen, Beklemmungen und Panik. In beiden Fällen ist es typisch, dass die jeweilige Umgebung vermieden wird.

Angst vor großen Menschen: Oft handelt es sich um Sozialphobie

Einige Betroffene fürchten sich nicht nur vor großen Objekten oder Räumen, sondern auch vor großen Menschen. Der Grund: Sie wirken einschüchternd, stark und kontrollierend. Bei welcher Größe die Angst beginnt, ist unterschiedlich. Sie verstärkt sich bei fremden Personen.

Wenn die Angst nicht nur bei großen Personen, sondern allgemein gegenüber Menschen auftritt, kann dahinter eine soziale Phobie stecken. Dabei schwingt die Befürchtung mit, dass andere über einen urteilen, ihn peinlich oder lächerlich finden. Davon abzugrenzen ist die Agoraphobie – die Angst vor öffentlichen Plätzen und Menschenmengen.

Megalophobie-Ursachen: Darauf ist die Angst zurückzuführen

Die Angst vor großen Dingen kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen. In den meisten Fällen liegen ihr negative, traumatische Erfahrungen zugrunde. Betroffene haben sich als Kind im Einkaufszentrum oder Flughafen verlaufen. Aber auch schlimme Nachrichten, zum Beispiel ein Unfall, bei dem ein Auto von zwei LKWs eingequetscht wurde, können die Angst auslösen. Betroffene übertragen die Situation auf das eigene Leben und gehen davon aus, dass ihnen das Gleiche passiert oder zumindest passieren könnte. Sie entwickeln eine krankhafte Angst vor großen Fahrzeugen wie LKW, Müllwagen oder Bussen.

Angst vor großen Dingen: Das können Betroffene selbst tun

Wer unter einer Megalophobie leidet, sollte vor allem eins tun: Große Objekte nicht vermeiden. Ansonsten verstärkt sich die Angst immer mehr und die Behandlung wird schwieriger. Stattdessen sollten sich Betroffene mit ihren Ängsten auseinandersetzen. Das müssen sie jedoch keineswegs allein tun – Freund:innen oder Angehörige dürfen helfen. Mit diesen über die Angst zu sprechen, ist der erste wichtige Schritt.

Danach sollten sich Betroffene mindestens einmal in der Woche der Situation oder dem Gegenstand stellen, bis ihre Angst abflacht. Wer sich das nicht traut, kann sich professionelle Unterstützung suchen.

Phobie vor großen Dingen: So helfen Psychotherapeuten

Das Leben von Megalophobikern kann stark eingeschränkt werden – insbesondere dann, wenn häufig vorkommende Objekte wie große Gebäude, LKW oder Statuen gefürchtet werden. Ihren normalen Alltag können Betroffene kaum mehr leben. Im schlimmsten Fall ist die Phobie so weit ausgeprägt, dass man nicht mehr nach draußen gehen kann, ohne Angst zu empfinden. Spätestens dann sollten Betroffene sich Hilfe suchen – im besten Fall bereits früher. Psychotherapeut:innen behandeln die Angst vor großen Dingen mit zwei Methoden:

  • Desensibilisierung bzw. Konfrontation: Betroffene werden mit den Objekten konfrontiert, vor denen sie Angst haben. Das passiert in der Regel erst mit Fotos, dann mit Videos und schließlich in der Realität.

  • Kognitive Therapie: Gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin werden die irrationalen Ängste betrachtet und durch rationale Gedanken ersetzt.

Auch eine Gesprächs- oder Gruppentherapie kann infrage kommen. Bei einer stärker ausgeprägten Phobie kann auch eine medikamentöse Behandlung ergänzend eingeleitet werden. Mittel der Wahl sind zum Beispiel selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs).

Wer Angst vor großen Dingen hat, muss damit nicht allein zurechtkommen – Betroffene sollten sich auf keinen Fall scheuen, (professionelle) Hilfe anzunehmen.