Alkohol bei einer Erkältung: Hilft das wirklich?

Ist Alkohol bei einer Erkältung hilfreich? Viele Menschen schwören auf das vermeintliche Hausmittel. So wirkt Alkohol bei Infekten.

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Alkohol und Erkältung: Passt das zusammen? Experten raten zwar dazu, bei einem Infekt viel zu trinken – doch damit ist Wasser gemeint. Wer Alkohol gegen Erkältungsbeschwerden einsetzt, hofft auf eine Besserung. Aber sollte Alkohol wirklich als Hausmittel gegen Husten, Halsschmerzen und Co. eingesetzt werden?

Hilft Alkohol bei einer Erkältung mit Halsschmerzen?

Ein Schlückchen gegen das Schnüpfchen: Viele Menschen glauben, dass Bier, Schnaps oder Wodka gegen Erkältungen helfen. So fragen sich manche Erkältungsgeplagte zum Beispiel: Hilft Alkohol gegen Halsschmerzen?

Grundsätzlich lassen sich Schmerzen durch den Genuss von Alkohol auch bei einer Erkältung tatsächlich dämpfen. Denn Alkohol wirkt auf die Nerven und damit auf das Schmerzempfinden. Er lindert jedoch nicht die Ursache, sondern setzt lediglich vorübergehend die Schmerzgrenze herauf. Der Effekt hält dementsprechend nicht lange an.

Wie wirkt Bier bei einer Erkältung?

Bei einer Erkältung Bier zu trinken, ist ein beliebtes Hausmittel. Der im Bier enthaltene Hopfen ist unter anderem reich an ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Sie fördern den Schlaf, der für das Immunsystem bei einem Infekt so wichtig ist. Außerdem wirken sie gegen Bakterien – die allerdings nur sehr selten hinter Erkältungssymptomen stecken. Meistens werden die Infekte von Viren ausgelöst. Wer es dennoch testen möchte, sollte das Bier bei Husten und Halskratzen warm trinken, da warme Getränke Beschwerden wie ein Reizgefühl im Hals besser lindern können.

Aber: Grundsätzlich raten Expert:innen davon ab. Denn Alkohol schadet dem Körper mehr, als dass er nützt.

Die Lösung ist alkoholfreies Bier bei einer Erkältung. Es enthält zwar keinen Alkohol, aber trotzdem schlaffördernden Hopfen. Noch besser ist alkoholfreies Weizenbier. Zumindest haben Forschende in einer Studie mit Marathonläufern herausgefunden, dass Weizenbier, auch Weißbier genannt, positive Effekte auf das Immunsystem hat. Grund sind bestimmte Inhaltsstoffe, die sogenannten Polyphenole.

Ist Alkohol bei einer Erkältung gefährlich?

Geringe Mengen Alkohol wie ein kleines Glas Bier können dabei helfen, Erkältungsbeschwerden zu lindern. In großen Mengen sollte Alkohol jedoch besonders während eines Infekts nicht getrunken werden. Denn er belastet das Immunsystem, das während einer Erkältung ohnehin genug zu tun hat, indem er die Funktion verschiedener Immunzellen im Körper stört. Diese Abwehrzellen werden bei einer Erkältung dringend gebraucht, um Krankheitserreger unschädlich zu machen.

Eine besonders schlechte Idee ist viel Alkohol bei Fieber, da Wein, Bier, Schnaps und anderer Alkohol dem Körper Flüssigkeit entziehen. Wenn Betroffene wegen des Fiebers schwitzen, besteht das Risiko einer Dehydrierung. Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schwindel können die Folge sein. Wer während einer Erkältung mit und ohne Fieber viel Alkohol trinkt, riskiert somit, dass es länger dauert, bis der Infekt überstanden ist.

Alkohol gegen Erkältung in Kombination mit Schmerzmitteln

Viele Menschen greifen bei Erkältungsbeschwerden zu Schmerzmitteln. Doch insbesondere in Verbindung mit Medikamenten ist es nicht ratsam, bei einer Erkältung Alkohol zu trinken – es kann sogar gefährlich werden. Sowohl Medikamente als auch Alkohol werden in der Leber abgebaut. Diese arbeitet dann aufgrund der Doppelbelastung langsamer. So besteht die Gefahr, dass sich die Wirkung der Medikamente durch den Alkohol verstärkt oder es zu Nebenwirkungen kommt.

Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol oder Ibuprofen mit Alkohol zu kombinieren, ist außerdem schlecht für den Magen, da das Risiko für Sodbrennen oder eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) steigt.  

Erkältung, Alkohol und Antibiotika

Besondere Vorsicht gilt bei der Einnahme von Antibiotika. Manchmal entwickelt sich aus einer einfachen Erkältung eine sogenannte Superinfektion, bei der sich Bakterien auf einen viralen Infekt draufsatteln, weil das Immunsystem bereits angegriffen ist. Dann ist es oft notwendig, Antibiotika einzunehmen, um die Bakterien zu bekämpfen.

Viele Antibiotika beeinträchtigen jedoch die Funktion eines bestimmten Enzyms (Aldehyddehydrogenase), das der Körper braucht, um Alkohol abzubauen. Das führt dazu, dass die Betroffenen einen sogenannten Flush erleben, wenn sie Alkohol trinken und wegen einer Erkältung Antibiotika nehmen: Ihr Gesicht rötet sich, sie schwitzen und das Herz rast.

Begünstigt Alkohol eine Erkältung?

Erkältet sein und Alkohol trinken – das ist also in vielen Fällen keine gute Idee. Aber wie sieht es eigentlich mit dem umgekehrten Fall aus? Kann Alkoholkonsum eine Erkältung begünstigen? Fakt ist: Alkohol schwächt das Immunsystem, wodurch der Körper anfälliger für Infekte wird. Der Effekt zeigt sich oft unmittelbar: Nach nur einer durchfeierten Nacht dauert es bis zu 24 Stunden, bis das Immunsystem wieder normal arbeitet. Wer langfristig zu viel Alkohol trinkt, erhöht zudem sein Risiko für verschiedene Infektionskrankheiten, insbesondere der Atemwege.

Zur Vorbeugung eines Infekts ist es daher ratsam, den Alkoholkonsum zu reduzieren. Als Hausmittel kann Alkohol bei einer Erkältung in kleinen Mengen hingegen hilfreich sein.

Quellen:

Alkohol und Medikamente, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Alkohol gegen Schmerzen: Opiat-Abhängigkeit ist nicht die einzige Gefahr, in: aerzteblatt.de

Alkohol: Haut und Immunsystem, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Sportmediziner: Alkoholfreies Weißbier fördert Sportler-Gesundheit, in: Technische Universität München