Affenpocken gefährlicher als gedacht? Erneuter Todesfall in Europa

Nach Spanien und Belgien meldet ein weiteres europäisches Land einen Todesfall in Zusammenhang mit einer Affenpocken-Infektion. In Deutschland ist die Zahl der Ansteckungen indes rückläufig. Alle Infos!

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Europa verzeichnet einen weiteren Todesfall, der in Zusammenhang mit den Affenpocken steht. In Tschechien, wo es bisher nur 60 bekannte Affenpocken-Fälle gibt, starb ein Patient mit dem Virus.

Affenpocken: Tschechien meldet ersten Todesfall

Wie ein Sprecher des tschechischen Gesundheitsministeriums nach Angaben der Agentur CTK am Mittwoch in Prag bestätigte, sei der Verstorbene vor seiner Erkrankung bereits immungeschwächt gewesen und schlussendlich an einer Lungenentzündung gestorben.

Weitere Details sind nicht bekannt.

Erneuter Todesfall in Europa

Bereits im Juli hatte Spanien als erstes europäisches Land zwei Todesfälle in Zusammenhang mit einer Affenpocken-Infektion gemeldet. Bei den Toten handelte es sich um zwei Männer im Alter von 40 und 31 Jahren. Der Ältere starb "durch eine infektionsbedingte Enzephalitis (Gehirnentzündung)", die von den Affenpocken ausgelöst worden war.

In Belgien war Anfang September ein Todesfall verzeichnet worden. Die verstorbene Person habe an Vorerkrankungen gelitten, hieß es in der Berichterstattung.

Affenpocken in Deutschland: Fallzahlen rückläufig

Das Robert Koch-Institut zählt aktuell 3.585 Affenpocken-Fälle in Deutschland (Stand 21.09.2022). Betroffen sind alle 16 Bundesländer. Allein in Berlin wurden zu Spitzenzeiten rund 2.000 Affenpocken-Fälle gezählt, aktuell sind es rund 1.600.

Trotzdem informiert das RKI auf seiner Homepage, dass die Zahl der wöchentlich übermittelten Fälle seit Anfang August 2022 rückläufig ist.

Betroffen sind nach wie vor überwiegend Männer. "Bislang sind in Deutschland nur 19 weibliche Fälle, drei Fälle bei männlichen Jugendlichen und zwei Fälle bei Kindern unter 14 Jahren übermittelt worden", schlüsselt das RKI auf.

Einen Todesfall in Zusammenhang mit den Affenpocken gab es in Deutschland bisher nicht.

Quellen:

Tschechien: Erster Todesfall im Zusammenhang mit Affenpocken, in: zeit.de

Affenpocken-Infektionen steigen weltweit – Erste Todesfälle gemeldet, in: fr.de

Belgien meldet ersten Affenpocken-Todesfall, in: n-tv.de

Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Fallzahlen und Einschätzung der Situation in Deutschland (Stand 21.09.2022), in: rki.de

Großbritannien: Neue Affenpocken-Variante aufgetaucht

Mediziner:innen konnten in Großbritannien nun eine bisher unbekannte Affenpocken-Variante identifizieren. Nachdem ein Mann von einer Reise zurückgekehrt war, musste der Brite im Krankenhaus behandelt werden. Die Untersuchungen ergaben, dass er mit einer bisher unbekannten Variante des Affenpocken-Virus infiziert war. Da es bereits zuvor auch in Europa zu ersten Todesfällen gekommen war, ist die Sorge groß.

Medienberichten zufolge hat sich der Patient in Westafrika aufgehalten. Nach seiner Rückkehr traten heftige Symptome auf, so dass er im Krankenhaus der Royal Liverpool University behandelt werden musste.

Laboranalysen zeigten, dass der Mann mit einem Stamm des Affenpocken-Virus infiziert war, der im Land noch unbekannt war. Die zuständige Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) erklärte dazu: „Eine vorläufige Genomsequenzierung, die von der UKHSA durchgeführt wurde, zeigt, dass in diesem Fall der aktuelle Ausbruchsstamm nicht im Vereinigten Königreich zirkuliert.“

Neue Affenpocken-Variante aus Westafrika?

In Westafrika infizieren sich immer wieder Menschen, da das Virus bei Tieren in der Region verbreitet ist und übertragen wird. Da sich der Brite vor seiner Erkrankung dort aufgehalten hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sich dort angesteckt hat. Laut der UKHSA werden derzeit alle Kontakte des Mannes nachverfolgt, um weitere Infektionen auszuschließen bzw. aufzuspüren.

Erste Affenpocken-Tote in Europa

Ende Juli hatten die ersten Todesfälle in Europa im Zusammenhang mit den Affenpocken für Aufregung gesorgt. Bis zu dem Zeitpunkt waren laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) fünf Menschen in Afrika im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Doch Ende Juli war es durch Affenpocken auch in Europa zu den ersten Todesfällen gekommen. In New York wurde unterdessen der Notstand ausgerufen – nun könnte es zu einem Aufflammen der Infektionen wegen des neuen Virusstammes kommen.

Spanien meldet die ersten zwei Affenpocken-Toten in Europa

Medienberichten zufolge waren im Juli zwei Männer in Spanien an dem Affenpocken-Virus gestorben. Demnach soll der Tod eines 40-Jährigen in Alicante in der Region Valencia „durch eine infektionsbedingte Enzephalitis (Gehirnentzündung) verursacht“ worden sein, ausgelöst von Affenpocken.

Tags darauf wurde der zweite Tote gemeldet: Ein Mann im Alter von 31 Jahren sei auf die Intensivstation des Universitätskrankenhauses in Córdoba verstorben. Er litt an einer Meningoenzephalitis, die durch die Infektion verursacht wurde. Davon spricht man, wenn zur Gehirnentzündung auch eine Entzündung der Hirn- bzw. Rückenmarkshäute (Meningen) hinzukommt.

Spanien stark betroffen, viele Affenpocken-Fälle in Deutschland

Ein Großteil der weltweit erfassten 46.000 Affenpocken-Fälle (Stand: 25.8.22) wird in Europa verzeichnet. Mit etwa 6.300 gemeldeten Fällen ist Spanien eines der europäischen Länder, das am stärksten von den Affenpocken betroffen ist.

In Deutschland wurden bisher knapp 3.500 Fälle verzeichnet (Stand: 5.9.22), in allen 16 Bundesländern. Der Großteil ist männlich. Auf der Seite des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es dazu: „Die Übertragungen erfolgen in diesem Ausbruch nach derzeitigen Erkenntnissen in erster Linie im Rahmen von sexuellen Aktivitäten, aktuell insbesondere bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern haben.“ Allerdings sind auch einzelne Frauen betroffen; bei Kindern wurde das Virus noch nicht nachgewiesen.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken werden durch ein Virus ausgelöst. Dieses wurde zum ersten Mal im Jahr 1958 nachgewiesen: Ein Labor in Dänemark hat es bei einem Affen entdeckt – daher der Name. Man vermutet jedoch, dass die eigentlichen Überträger Nagetiere oder Hörnchen sind.

Die Infektion verläuft meist mild, mit Symptomen wie

  • Pockentypischer Hautausschlag

  • Lymphknoten-Schwellungen

  • Halsschmerzen und Husten

  • Fieber und Schüttelfrost

  • Muskelschmerzen

In seltenen Fällen kann es aber auch zu einem schweren oder sogar tödlichen Verlauf kommen, wie im Juli in Spanien. Ob in diesen Fällen Vorerkrankungen der Verstorbenen eine Rolle spielten, ist noch unklar.

Affenpocken: Notstand in New York ausgerufen

Schon vor Bekanntwerden der ersten Todesfälle in Europa hatte die WHO aufgrund der schnellen Verbreitung den Affenpocken-Ausbruch zur „Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Ende Juli hat dann der Bundesstaat New York in den USA den Notstand ausgerufen.

Dadurch könne man schneller reagieren und mehr Menschen impfen, so die Gouverneurin Kathy Hochul. Besondere Risikogruppen sollten so gut wie möglich geschützt werden. In New York wurden zu dem Zeitpunkt knapp 1.390 Fälle gemeldet – etwa 25 Prozent aller Affenpocken-Infizierten in den USA, die meisten in der Metropole New York.

Erste Todesfälle durch Affenpocken: Impfungen in Deutschland

Expert:innen forderten die Regierung daraufhin auf, schnell zu handeln und Impfstoffe gegen das Affenpocken-Virus zu besorgen. Im Gegensatz zur Corona-Impfung erfolgte die Bereistellung schnell: Aktuell läuft die Impfkampagne mit dem Pockenimpfstoff Imvanex des dänisch-deutschen Unternehmens Bavarian Nordic. Er wurde ursprünglich gegen die echten Pocken entwickelt, soll aber auch gegen das Affenpocken-Virus wirken.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung für folgende Gruppen:

  • Kontaktpersonen – Alle, die Kontakt zu einer mit Affenpocken infizierten Person hatten.

  • Risikopersonen – Menschen, die ein hohes Risiko haben, sich mit Affenpocken zu infizieren; dies betrifft vor allem Männer, die Sex mit anderen Männern haben und oft den Partner wechseln.

Die Impfstoffmenge ist allerdings begrenzt, weshalb es zu Verzögerungen bei der Impfung gegen Affenpocken kommen kann.