Achtung: Diese Geschlechtskrankheiten treten wieder vermehrt auf!

Die Vereinten Nationen möchten sexuell übertragbare Krankheiten in den nächsten Jahren stark eindämmen – doch momentan ist eher ein Anstieg der Fallzahlen zu beobachten. Welche Infektionen besonders oft auftreten.

Frau fässt sich an den Bauch und Intimbereich
Betroffene einer Geschlechtskrankheit klagen oft über Schmerzen und Juckreiz im Bauch- und Intimbereich Foto: iStock/Staras

Weltweit infizieren sich über eine Millionen Menschen täglich mit einer Geschlechtskrankheit. Schätzungen zufolge ist weltweit jeder vierte Mensch infiziert. In Europa und Großbritannien gibt es pro Jahr mehr als 500.000 Neuinfektionen. Die WHO spricht von einer stillen Epidemie, weil viele Infektionen symptomlos verlaufen und unerkannt bleiben.

Die Vereinten Nationen haben als Nachhaltigkeitsziel definiert, sexuelle Krankheiten bis 2030 so einzudämmen, dass sie keine Gefahr mehr darstellen. Bei welchen Infektionen dies bereits gelingt, wo noch Handlungsbedarf ist und wie das Ziel erreicht werden soll.

Häufige Geschlechtskrankheiten in Deutschland

Zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Deutschland gehören u.a. Chlamydien, Syphilis, Tripper (Gonorrhö), Hepatitis B sowie HIV. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und reichen von Müdigkeit über Fieber bis hin zu Durchfall. Wenn die Infektionen früh erkannt werden, können sie in der Regel gut behandelt werden – doch wenn die Erkrankung chronisch ist, können ernste Folgen wie Unfruchtbarkeit, Leberzirrhose oder Krebs auftreten.

Sexuell übertragbare Krankheiten: Stagnierende und steigende Zahlen

Die HIV-Neuinfektionen konnten in den letzten Jahren glücklicherweise auf einem stabilen Niveau gehalten werden. Die Fallzahlen der sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhö und Hepatitis B sind hingegen gestiegen. Ein Überblick:

HIV-Infektionen: Datenlage

Die HIV-Infektionszahlen haben sich stabilisiert. Der Grund sind frühe Therapien und eine gute Prophylaxe. Dabei gibt es die postexpositionelle Prophylaxe (PEP), mit der bestenfalls innerhalb von zwei Stunden, ansonsten innerhalb von 24 Stunden bis spätestens 72 Stunden nach dem Risikokontakt für etwa 28 Tage durchgeführt wird. Bei der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) nehmen HIV-Negative ein Medikament ein, um sich vor der Ansteckung zu schützen. Dies schützt jedoch nicht vor der Ansteckung weiterer Geschlechtskrankheiten. HIV gilt grundsätzlich als behandel-, aber nicht heilbar. An der Entwicklung eines Impfstoffes wird gearbeitet.

Aktuelle Syphilis-Fallzahlen

In Europa und Großbritannien sind die Zahlen der Syphilis-Infektionen von 2010 zu 2019 bei den 15 bis 49-Jährigen um 87 Prozent gestiegen. In Deutschland gab es mit 8000 registrierten Fällen 2019 den Höhepunkt, neun Jahre zuvor waren es noch 3.000 Erkrankungen. In den letzten drei Jahren sind die Zahlen wieder gesunken, 2022 wurden knapp 5.800 Fälle registriert. Die meisten Infektionen wurden, wie in den Jahren zuvor, in Berlin und Hamburg festgestellt.

Entwicklung von Hepatitis B

Seit 2021 gibt es einen sprunghaften Anstieg der gemeldeten Hepatitis B-Infektionen. Allerdings vermuten Mediziner:innen keinen starken Anstieg der tatsächlichen Ansteckungen – sondern das vermehrte Entdecken von symptomlosen Infektionen, denn seit Oktober 2021 können sich Menschen ab 35 Jahren kostenlos im Rahmen ihrer Vorsorgeuntersuchung auf Hepatitis B und C testen lassen. Während 2020 noch unter 7.000 Fälle gemeldet wurden, waren es 2021 über 8.500 und 2022 fast 16.000.

Überblick über Chlamydien-Infektionen

Vor allem bei jüngeren Menschen sind Chlamydien weit verbreitet, die Krankheit ist jedoch außer in Sachsen in Deutschland nicht meldepflichtig. Die Weltgesundheitsbehörde geht weltweit von 127 Millionen Neuinfektionen pro Jahr aus. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass sich in Deutschland etwa 300.000 Personen jährlich neu infizieren.

Gonorrhö: Kaum Daten vorhanden

Von 2010 bis 2019 haben sich die Gonorrhö-Infektionen in Europa und Großbritannien bei den 15 bis 49-Jährigen von etwa 35.000 auf 118.000 erhöht. Die Dunkelziffer wird jedoch noch höher geschätzt, denn z.B. in Deutschland ist die Erkrankung außer in Sachsen nirgendwo meldepflichtig.

So soll das Ziel der Vereinten Nationen erreicht werden

Um die Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten bis 2030 einzudämmen, empfiehlt die WHO folgende Maßnahmen:

  • Aufklärung

  • Prävention

  • Nutzung von Kondomen

  • Regelmäßiges Testen

  • Frühzeitig einsetzende Therapien

  • HPV- und Hepatitis-Impfung

Wer sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hat, braucht sich nicht zu schämen – es geht sehr vielen anderen Menschen genauso. Wichtig ist nur, sich schnellstmöglich Hilfe bei einem Arzt oder einer Ärztin zu suchen. Oft kann die Infektion dann mit einem Antibiotikum behandelt werden. Grundsätzlich gilt: Je frühzeitiger Geschlechtskrankheiten erkannt und therapiert werden, desto besser stehen die Behandlungs- bzw. Heilungschancen.